Abs Hermann Josef, 1901, Bonn


Geboren am: 15.10.1901 in Bonn
Gestorben am: 05.02.1994 in Bad Soden im Taunus
Verheiratet mit: Inez Abs geb. Schnitzler
Kinder: Thomas Vincent (1929–2001) und Marion Claude (* 1930)
Geschwister: 7, darunter mindestens 4 Brüder wie Clemens und seine Schwester Maria
Eltern: Dr. Josef Abs und Katharina Abs geb. Lückerath
Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Hermann Josef Abs - Quelle: Deutsche Bank AG Kultur und Gesellschaft Historisches Institut Frankfurt am Main
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David Rockefeller bezeichnete ihn als „den führenden Bankier der Welt“

Hermann Josef Abs wurde am 15.10.1901 als Sohn des Rechtsanwaltes Josef Abs und dessen Ehefrau Katharina Abs geb. Lückerath in Bonn geboren. Er wuchs in einer streng katholischen Familie mit 7 Geschwistern auf, von denen 2 bereits sehr früh verstarben.

Nach dem Abitur am Städtischen Gymnasium in Bonn absolvierte er eine Banklehre beim Bonner Privatbankhaus Louis David und studierte im Anschluss an seine Ausbildung Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an der Universität Bonn, welches er nach einem Semester abbrechen musste, da die Familie die Kosten für sein Studium nicht mehr aufbringen konnte. Er arbeitete deshalb bei verschiedenen Banken wie dem Privatbankhaus Delbrück, von der Heydt & Co in Köln und Banken in den Niederlanden, England, USA und Südamerika.

Am 15.02.1928 vermählte er sich mit Inez Schnitzler, der Tochter aus einer angesehenen Kölner Familie. Aus der Ehe stammen die Kinder Thomas Vincent (1929–2001) und Marion Claude (* 1930). Nach einigen Monaten Tätigkeit bei Banken in Spanien und Frankreich übernahm Hermann Josef Abs 1928 eine neue Aufgabe bei der N.V. Rhodius Koenigs Handelmaatschappij Bank in Amsterdam. 1929 erfolgte ein Wechsel zum Berliner Privatbankhaus Delbrück Schickler & Co.

Als nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 und Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze 1935 Juden systematisch drangsaliert, enteignet wurden und ihnen Berufsverbote erteilt wurden, trat Hermann Josef Abs 1935 die Nachfolge des ehemals jüdischen Teilhabers bei der Bank Delbrück Schickler & Co. in Berlin an und 1937 wechselte er als Nachfolger des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Gustaf Schlieper zur Deutschen Bank. Von 1938 bis 1945 war er Vorstandsmitglied der Deutschen Bank und war in neutralen Staaten für die Zeichnung der Kriegskredite des Nazi-Regimes zuständig. Auch war er zu Zeiten des Nationalsozialismus mit dem als „Arisierung“ verharmlosten Raub jüdischer Vermögen betraut.

Hermann Josef Abs gehörte keiner Partei an. 1943 versuchte die NSDAP erfolglos ihn als Vorstand der Deutschen Bank zu entlassen. Auch wenn er Kontakt zum Widerstand gegen Adolf Hitler hatte, hat er nicht aktiv am Widerstand teilgenommen.

Nach Kriegsende wurde Hermann Josef Abs von den US-Alliierten von seinem Vorstandsposten suspendiert und kam 3 Monate in Haft. Im folgenden Entnazifizierungsverfahren wurde er entlastet und als Finanzberater in der britischen Besatzungszone herangezogen.

In der Wiederaufbauphase nach dem Krieg arbeitete er als Ratgeber eng mit Konrad Adenauer zusammen und verhandelte mit den USA über Wirtschaftskredite. Zudem war er Mitglied in zahlreichen Aufsichtsräten verschiedener Industriekonzerne und galt als ein einflussreicher Kunstmäzen.

  • 1948 bis 1952 war er Vorstandsvorsitzender der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
  • 1952 leitete er in London die Delegation der Bundesrepublik bei den Verhandlungen zur Regelung der deutschen Auslandsschulden. Auch nahm er in dem Jahr seine Tätigkeit bei der Deutschen Bank, Berlin-Düsseldorf wieder auf.
  • 1953 zog er mit seiner Familie in eine 1.200 Quadratmeter Villa in Bad Soden, wo er bis zu seinem Tod lebte.
  • 1955 bemühte er sich in den USA erfolglos um die Freigabe der dort seit dem Zweiten Weltkrieg eingefrorenen deutschen Vermögen,
  • 1957 wurde er Sprecher des Vorstands der wiedervereinten Deutschen Bank in Frankfurt am Main
  • 1968 bis 1970 war er Aufsichtsratsvorsitzender der Friedrich Krupp GmbH.
  • 1970 verklagte er den DDR-Historiker Eberhard Czichon weil dieser in seiner Biographie unter anderem behauptet hatte, Hermann Josef Abs habe sich bei Arisierungen selbst bereichert, habe eine Machtposition im faschistischen System innegehabt und sei für NS-Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen und sogar Kindern verantwortlich.  1972 wurden Czichon und sein Verleger wegen falscher Tatsachenbehauptung in 32 Fällen zur Zahlung von 20.000 DM Schadensersatz verurteilt und die Biographe durfte nicht mehr verbreitet werden. Hermann Josef Abs verzichtete allerdings auf den Schadenersatz, weil dies den Verleger der Biographie vernichtet hätte.

Mit bis zu 30 Aufsichtsratsmandaten, davon 20 als Vorsitzender, war er in den 1960er Jahren eine Schlüsselfigur der deutschen Wirtschaft und der einflussreichste Bankier in Deutschland. Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand der Deutschen Bank wurde er 1967 zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt. 1976 beendete er sein Aufsichtsratsmandat, blieb anschließend bis zu seinem Tod im Februar 1994 Ehrenvorsitzender der Deutschen Bank.

Hermann Josef Abs starb am 05.02.1994 im Alter von 92 Jahren in Bad Soden am Taunus. Er wurde in der Friedhofskapelle St. Gertrud von Oedingen in Remagen beigesetzt.


Weitere Informationen aus seinem Leben – Quelle Wikipedia:

„Ab 1937 war Abs unter anderem auch Mitglied im Aufsichtsrat der I.G. Farben. 1941 wurde er Mitglied des Aufsichtsrates der Kontinentale Öl AG und Aufsichtsratsvorsitzender der Pittler Werkzeugmaschinenfabrik AG, einer Maschinenbaufirma in Leipzig-Wahren. Im Herbst 1944 war Abs Aufsichtsratschef der Mechanik GmbH Rochlitz, eines Hydraulik-Herstellers für die Kriegsproduktion, die in Wansleben bei Halle (Saale) ein unterirdisches KZ-Außenlager (Tarnname „Kali-Werk Georgi“) mit ca. 1.000 Zwangsarbeitern und Häftlingen betrieb. Kurz nach dem Angriff auf die Sowjetunion begrüßte Abs in einem flammenden persönlichen Schreiben an den führenden finnischen Bankier Rainer von Fieandt den Krieg gegen die Sowjetunion als Kampf „gegen den größten Feind aller Freiheit und Menschlichkeit“. Bis heute ist ungeklärt, was Abs als Aufsichtsrat der I.G. Farben vom Vernichtungslager Auschwitz und der dortigen Baustelle der I.G. Farben mitbekam. Die I.G. Farben baute für 900 Millionen Reichsmark, in ihrem größten Bauprojekt überhaupt, ein Bunawerk in der Nähe des Vernichtungslagers. 25.000 Häftlinge starben auf der Baustelle oder im Außenlager Monowitz, das von der SS für die I.G. Farben betrieben wurde. Angesichts der großen Geldsumme für die Anlage vermutet der Historiker Tim Schanetzky, dass Abs weitreichende Kenntnisse gehabt habe.

Im Rahmen seiner Tätigkeit als einer der führenden Bankiers Deutschlands und Aufsichtsratsmitglied in über 40 Banken und Industriekonzernen im In- und Ausland pflegte er intensive Geschäftsbeziehungen zur Spitze des OKW-Amtes Ausland/Abwehr. Ein besonders enger Kontakt bestand zum Chef der Abteilung I (Geheimer Meldedienst zuständig für Auslandsspionage und Nachrichtenbeschaffung), Oberst Hans Piekenbrock. Dieser Kontakt gestaltete sich zum gegenseitigen Vorteil, denn Abs war sowohl als Agent der Abwehr als auch als deren Auftraggeber tätig.

Abs war im Vorstand der Deutschen Bank mit der „Arisierung“ (Zwangsverkauf) von jüdischen Unternehmen und Banken betraut. Einige „Arisierungen“ waren Gegenstand US-amerikanischer Ermittlungen nach Ende des Zweiten Weltkriegs (OMGUS-Report). Zu nennen sind hier etwa das Bankhaus Mendelssohn und der Lederkonzern Adler & Oppenheimer. Bei „A & O“ handelte es sich um die größte ein Industrieunternehmen betreffende Arisierung der Deutsche Bank AG. Abs wurde 1938 Mitglied des Aufsichtsrates. Die „Arisierung“ bestand darin, dass ein von der Deutsche Bank AG geführtes Konsortium 75 % der Aktien übernahm. Die Bank machte beim Verkauf des in „Norddeutsche Lederwerke“ umbenannten Unternehmens einen Gewinn von etwa 2,75 Mio. Reichsmark. Der britische Historiker Harold James kommt zum Schluss, dass die Deutsche Bank vor allem wegen der komplexen internationalen Wirtschaftsverflechtungen mit Fällen wie dem von Adler & Oppenheimer befasst wurde. Auch Abs’ persönliche Kontakte hätten eine zentrale Rolle bei der „Germanisierung“ von A & O gespielt. Nach der Restitution der Eigentümer nach 1947 blieb Abs Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Im Jahr 1939 übernahm die neu gegründete Erft-Bergbau AG, an der die Familie Abs 50 % der Anteile hielt, den Gewerbebetrieb der Hubertus AG, die mehrheitlich zum Konzern der jüdischen Petschek-Brüder gehört. Sein Vater Josef Abs war dem Unternehmen seit seiner Gründung verbunden und hielt 12 % der Anteile. Die alte Hubertus AG wurde 1941 liquidiert. Die Deutsche Bank übernahm im besetzten Tschechien im Jahr 1939 die Böhmische Union-Bank, die Übernahmen und Transaktionen bei der „Arisierung“ jüdischer Vermögen abwickelte. Eine direkte Beteiligung von Abs an diesen Vorgängen ist umstritten. Der Historiker Lothar Gall sieht keine direkte Verstrickung, da Abs nur Stellvertreter des für das Protektorat Böhmen und Mähren verantwortlichen Vorstands Oswald Rösler war. Rösler selbst, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrats der Böhmischen Union-Bank war, beurteilte erst 1943 die Aktivitäten des verantwortlichen Mitarbeiters Walter Pohle in einer im Vorstand verbreiteten Aktennotiz äußerst kritisch. Abs war Mitglied im Rußlandausschuß der Deutschen Wirtschaft und im Beirat der Deutschen Reichsbank.

James fasst im Hinblick auf eine Reihe von ihm untersuchter Fälle zusammen: „Abs nutzte eine ungewöhnliche Breite an Kontakten aus – von ausländischen Konzernen wie Unilever, dem Vatikan, über deutsche Wirtschaftsführer bis zu den Verbrechern, die die Übernahmen und Enteignungen in Österreich und der Tschechoslowakei leiteten, bis zu SS und Gestapo. Während er einigen der großen deutsch-jüdischen Dynastien - den Mendelssohns, den Hirschlands, den Oppenheimers und den Adlers – oder den deutsch-tschechischen Petscheks half, verdiente er gleichzeitig Geld für seine Bank und erweiterte seine Kontakte und Interessen.“

Eine internationale Historikerkommission beschäftigte sich im Auftrag des Historischen Instituts der Deutschen Bank Ende der 1990er Jahre mit der Frage, ob Abs in der NS-Zeit Kenntnis über die Herkunft bestimmter Goldbestände hatte, welche die Deutsche Bank von der Reichsbank laufend erwarb: Es handelte sich dabei um von der Degussa umgeschmolzenes Gold ermordeter Juden aus den Vernichtungslagern im Osten. Die Kommission fand eine Reihe zuverlässiger Indizien für Abs’ Wissen um die Herkunft des Goldes, zweifelsfrei klären konnte sie die Ausgangsfrage in Ermangelung eines eindeutigen Beweises jedoch nicht.


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