Andernach, Deutschland


Andernach ist eine kreisangehörige Stadt im Landkreis Mayen-Koblenz im nördlichen Rheinland-Pfalz. Andernach liegt am Rhein.

Andernach gehört zu den ältesten Städten Deutschlands.

Auf den folgenden Gedenkseiten finden Sie Informationen zu Personen, die aus diesem Ort stammten.

Chronik


Andernach gilt als eine der ältesten römischen Siedlungen Deutschlands. 55 v. Chr. bauten die Römer in der Nähe von Andernach in nur zehn Tagen eine Rheinbrücke und 53 v. Chr. oberhalb von Urmitz.

Zur Zeit der Merowinger gehörte Andernach zunächst zu Austrasien und wurde Königssitz.

870, im Vertrag von Meersen fiel Andernach an Ludwig II. den Deutschen und wurde so Teil des entstehenden deutschen Reiches. 876 nach dem Tode Ludwigs II., verlangte Karl II. der Kahle, von Ludwig III. die Herausgabe der linksrheinischen Gebiete und begann mit der militärischen Eroberung. Zwischen Andernach und Kettig kam es im selben Jahr zu einer Schlacht bei der Karl der Kahle vernichtend geschlagen wurde und die Zugehörigkeit Andernachs zum Ostreich sichergestellt wurde, aus dem sich das Heilige Römische Reich entwickelte.

882 und 883 wurde die Stadt während der Raubzüge der Wikinger dreimal gebrandschatzt.


Ab dem Jahr 1000 versuchten die beiden Erzstifte Köln und Trier, Andernach unter ihre Herrschaft zu bekommen. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen wurde 1114 der alte Königshof vernichtet.

Aus Dankbarkeit für den Sieg bei Tusculum schenkte Kaiser Friedrich I. 1168 Andernach an Erzbischof von Köln Rainald von Dassel. Sofort nach der Schenkung wurde die zerstörte Burg Rheineck zur Absicherung der Schenkung durch das Erzstift Köln wieder aufgebaut um einen erneuten Zugriff auf die Burg durch die Pfalzgrafen bei Rhein zu verhindern. Für die Leitung der Burg ernannten die Kölner Fürsterzbischöfe anfangs nicht erbberechtigte Burggrafen.

1198 eroberte Philipp aus dem Hause der Staufer die Stadt und ließ sie in Brand stecken.

In den folgenden Jahren wuchs die Stadt beständig und die Stadt nach Osten hin erweitert wurde.

Bis 1349 war eine Judengemeinde in Andernach nachweisbar. Infolge der Judenpogrome, ausgelöst durch die große Pestepidemie, die sich 1347 von Süditalien aus über fast ganz Europa ausbreitete, wurde die Judengemeinde 1349 aus der Stadt getrieben. 1381 ist eine zweite Judengemeinde bekundet. Da die erste Synagoge samt Grundstücken in christliche Hände übergegangen war, hatte die neue Gemeinde keinen nachgewiesenen Synagogenbau, sondern feierten ihre Zusammenkünfte vermutlich in einem Wohnhaus. Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts musste auch die zweite Judengemeinde die Stadt verlassen. Obwohl vereinzelt Juden im Stadtgebiet wohnten, konnte sich erst wieder nach 1860 eine dritte Judengemeinde in Andernach etablieren.

1407 wurde erstmals der Rat der Stadt Andernach urkundlich erwähnt.

1474 bis 1477 wurde Andernach in den Burgundischen Krieg, auch Kölner Stiftsfehde“ genannt, verwickelt.


Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab es soziale Spannungen innerhalb der Verwaltung der Stadt, da es der Bürgerschaft gelang, zunehmend an Einfluss zu gewinnen und den Adel zurückzudrängen.

1522 gelang es den Zünften, mit dem „Achterstuhl“ eine dauerhafte Vertretung ihrer Interessen gegenüber dem Rat durchzusetzen.

Täufer aus den Niederlanden erregten zusätzlich soziale Unruhen, so dass der Rat strafend gegen sie einschritt.

1543 trat der Kölner Fürsterzbischof Hermann V. zum Protestantismus über, schickte Prediger nach Andernach und verlangte vom Rat deren Anstellung. Nach der Abdankung Hermanns V. im Jahre 1547 gingen dessen Nachfolger gegen die Lutheraner vor, die sich jedoch in Andernach halten konnten.

1573 überwies Fürsterzbischof Salentin dem Rat 1000 Gulden zur Erneuerung der bereits für die Lateinschule, damit die Kinder in der wahren katholischen Religion erzogen werden konnten. Aber als 1582 auch der Kölner Fürsterzbischof Gebhard I. zum Protestantismus übertrat, ließ der Rat das Kölner Tor schließen.

Während des Kölnischen Kriegs 1583–1588, wurde Andernach von Niederländischen Truppen überfallen. Der Angriff auf die Kornpforte (Rheintor), die dabei teilweise zerstört wurde, scheiterte jedoch am Widerstand der Andernacher Bürger.


In den ersten 14 Jahren des Dreißigjährigen Krieges blieb Andernach von den direkten Auswirkungen des Krieges verschont. Dies änderte sich am 10. November 1632, als der schwedische General Wolf Heinrich von Baudissin von der Stadt Unterhaltszahlungen für die schwedische Armee verlangte. Als die Stadt dem nicht sofort zustimmte, wurde Andernach in der Nacht vom 16. auf den 17.11.1632 besetzt und geplündert. Als der Graf von Isenburg die Stadt im März 1633 beschoss, zerstörten die Schweden die Befestigungsanlagen, setzten die Stadt in Brand und zogen sich zurück. Als sie am 15.12.1633 versuchten, die Stadt erneut zu besetzen, wurden sie jedoch von den Bürgern der Stadt daran gehindert. Die Stadt war zum letzten Mal in Gefahr, als der französische Marschall Turenne 1646 die Stadt 5 Tage lang beschießen ließ, dann aber die Belagerung abbrach, weil er auf unerwarteten Widerstand stieß.


Im Pfälzischen Erbfolgekrieg von 1688-1697 wurde Andernach 1689 von französischen Truppen die Stadt geplündert. Die französischen Truppen zerstörten die kurfürstliche Burg und rissen alle Befestigungsanlagen nieder. In der Nacht vom 30.04 auf den 01.05.1689 wurde die Stadt in Brand gesteckt, nachdem alle Feuerlöschgeräte zerstört worden waren. 326 Häuser brannten nieder, nur 74 Häuser blieben verschont.

Das folgende Jahrhundert war zu Beginn durch den langsamen Wiederaufbau der Ruinenstadt gekennzeichnet, wobei neue Besetzungen und Truppenbewegungen während des Spanischen Erbfolgekrieges schließlich zu einer völligen Verschuldung und Verarmung Andernachs führten. Die Zahl der Einwohner sank deutlich unter 2000. Am Ende des Jahrhunderts gab es eine Stadt, in der die wirtschaftliche Entwicklung durch mittelalterliche Zünfte und hohe Zölle behindert wurde. Eine allgemeine Unzufriedenheit mit den herrschenden Bedingungen machte sich unter den Bürgern der Stadt breit und bereitete den Boden für die kommenden Ereignisse - die Französische Revolution und ihre Folgen - vor.


Am 22.10.1794 wurde Andernach von französischen Truppen besetzt. Viele Andernacher verweigerten jedoch den Treueeid auf die Französische Republik. Mit dem Verwaltungsgesetz vom 17.02. 1800 wurde die Mairie Andernach geschaffen, zu der neben Andernach auch die Gemeinden Brohl, Eich, Miesenheim, Namedy und Nickenich gehörten. Am 09.02.1801 fiel Andernach im Frieden von Lunéville mit allen linksrheinischen Gebieten an Frankreich. Obwohl dieser Zeitraum nur bis 1814 dauerte, kam es in dieser Zeit zu einer völligen Umwälzung der sozialen und rechtlichen Verhältnisse. Die Privilegien des Adels und der Kirche und die mittelalterliche Verwaltungsstruktur der Stadt wurden abgeschafft. Mit der Säkularisierung der Klöster, Stifte und kirchlichen Einrichtungen wurden auch die letzten Reste des alten Ständesystems beseitigt. In Andernach blieb nur noch der Dom als Pfarrkirche erhalten. Doch als russische Truppen in der Nacht zum 01.01.1814 Andernach besetzten, wurde dies keineswegs von allen Bürgern als Befreiung empfunden.


Als Ergebnis des Wiener Kongresses fiel Andernach am 05.04.1815 an Preußen. Da sich die Andernacher weigerten die preußische Stadtordnung anzunehmen, da diese hinter den Fortschritten und Freiheiten der französischen Ordnung zurückblieb, blieb bis zum Inkrafttreten der preußischen Gemeindeordnung 1845 die französische Stadtverwaltung im Wesentlichen unverändert. Am 02.03.1857 wurde Andernach wieder Stadtrecht verliehen.

1819 fiel die Stadtmauer zur Rheinseite, später die Stadttore Richtung Mayen und Köln.

Bis in die 1860er Jahre stagnierte die wirtschaftliche Entwicklung Andernachs, obwohl die Familie Remy 1797 die Produktion von Walzblechen von Neuwied nach Andernach verlegte, Zugang zum französischen Markt zu erhalten. 1841 wurde die Produktion jedoch eingestellt. Industrien wanderten ab, es blieb nur die Landwirtschaft.

1852 bis 1854 erfolgte der Bau der privatwirtschaftlich finanzierten Mayen-Andernach-Neuwieder Aktienstraße.

1858 erhielt Andernach einen Bahnhof an der neu gebauten Rheintaleisenbahn.

1861 ließen sich die Trasswerke Meurin in Andernach nieder.

1864 ließ sich die Mälzerei Weissheimer in der Stadt nieder.

1865 kam die Leistenfabrik Wagner nach Andernach.

1878 bis 1880 erfolgte der Bau der Eisenbahnlinie Andernach–Mayen.


Die Ansiedlung von Industrien in Andernach wurde durch den Ersten Weltkrieg, und die bis 1929 dauernde amerikanische und französische Besatzung, durch Inflation und Weltwirtschaftskrise abrupt gestoppt, auch wenn 1921 das Bandstahlwerk Remy, van der Zypen & Co. die Produktion aufnahm.

1933 kam es auch in Andernach zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Vom 09.11. auf den 10.11.1938 wurde die am 30.03.1933 eingeweihte Synagoge vollständig abgebrannt. Juden in Andernach wurden verschleppt und bis auf wenige Ausnahmen ermordet. Ähnlich erging es Patienten der Heil- und Pflegeanstalt. Von dieser Zwischenanstalt gingen Transporte nach Hadamar bzw. nach 1941 in den Osten, wo die Patienten als „lebensunwertes Leben“ im Zuge der Euthanasie durch Vergasung ermordet wurden.

500 Menschen aus Andernach starben während des Zweiten Weltkrieges. Durch Luftangriffe der Alliierten wurde Andernach teilweise zerstört. Der Stadtkern blieb weitgehend verschont. Am 09.03.1945 marschierten US-Truppen in Andernach ein und errichteten auf den Rheinwiesen ein Gefangenenlager für 40.000 deutsche Soldaten.

Am 10.07.1945 übernahmen die Franzosen Andernach von den Amerikanern. Seit dem 30.08.1946 gehört Andernach zu Rheinland-Pfalz.

Ab 1949 begann der industrielle Aufschwung durch die Malzfabrik Weissheimer und die Bimsindustrie.

Neue Baugebiete wurden in Andernach erschlossen, um Vertriebene Deutsch aus Schlesien oder anderen Ostgebieten aufzunehmen.