Bad Tölz, Deutschland


Bad Tölz ist die Kreisstadt in Bayern im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

1978 wurden Teile der aufgelösten Gemeinden Kirchbichl und ein kleiner Teil von Oberfischbach eingegliedert.

Auf den folgenden Gedenkseiten finden Sie Informationen zu Personen, die aus diesen Orten stammten.

 

Chronik


Bad Tölz wurde 1155 erstmals urkundlich als „Tolnze“ erwähnt. Der Name geht vermutlich zurück auf Heinrich von Tollenz. Heinrich galt als angesehener herzogliche Lehensträger und ließ ab 1180 eine Burg mit Kapelle errichten.

Laut Georg Westermayer, dessen „Chronik der Burg und des Marktes Tölz“ 1871 veröffentlich wurde, geht der Name auf eine römische Siedlung namens Tollentium zurück.


Etwa um 1200 entstand die erste Isarbrücke. Sie lag rund 100 Meter flussaufwärts der heutigen Brücke und verband die heutige Römergasse mit dem anderen Ufer.

Nach dem Tod des letzten Erben aus dem Hause Tollenz fielen Tölz und Burg an die Wittelsbacher. Die prekären Vermögensverhältnisse des Hauses Wittelsbacher brachten Herzog Rudolph am 05.08.1300 dazu, Tölz und Umgebung an Freising zu verpachten. Nach zehn Jahren sollten Rudolph oder ein Erbe das Pfand wieder auslösen. Eine Auslösung fand jedoch nie statt. Somit war nun der Bischof von Freising neuer Besitzer von Tölz. Erst 1328 fiel der Ort wieder an die Wittelsbacher.

Die Wälder der Gegend waren die Grundlage für das Flößerhandwerk. Die Flößerzunft hatte 24 Meister und zahlreiche Gesellen in Tölz. Bereits 1320 war die Tölzer Flößerzunft mächtig genug, den umliegenden Bauern das Flößen von eigenem Holz zu verbieten.

Im Jahr 1374 wurde das erste Siegel des Tölzer Marktes, das "Sigillum Civium In Tollentze", das heutige Stadtwappen, verliehen. Durch die Lage an mehreren Handelsstraßen, der Salzstraße zwischen Allgäu und Reichenhall sowie der Wasserstraße an der Isar in Richtung München und Donau erlangte Tölz Wohlstand.

1453 wurde bei einem großen Brand die Marktstraße, die Pfarrkirche, das Schloss und Teile des Grieses zerstört.

Ab 1460 wurde ein neues Schloss gebaut.

1476 begann das Bierbrauen in Tölz.

Ende des 15. Jahrhunderts erreichte die Stadt ihre entscheidende Größe, die sie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts beibehielt.


Während des Dreißigjährigen Krieges wurden das Schloss und Markt von den Schweden geplündert und verwüstet. Einige Tölzer baten in Hohenburg in Lenggries um Hilfe gegen die Schweden. Daraufhin zogen 200 Mann nach Tölz und vertrieben die Schweden. Zum Schutz blieben die Hohenburger in Tölz.

1631 gab es in Tölz 22 Brauereien, deren Hauptabnehmer die Stadt München war.

1633 erreichte die Pest Tölz, bei der circa 130 Menschen starben. Mit dem Schrumpfen der Bevölkerung endete auch die Blütezeit der bekannten Handwerker- und Flößerstadt.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges, in dem die Österreicher Bayern besetzten, stand Tölz im Mittelpunkt des Aufstandes der Oberländer Bauern.

Am 19.03.1742 fielen Truppen der Panduren und Tollpatschen infolge des Österreichischen Erbfolgekrieges in Tölz ein. Der Tölzer Friedrich Nockher zahlte den Panduren aus eigener Tasche mehrere hundert Gulden, um eine Brandschatzung des Ortes abzuwenden. Die Panduren zogen ab, wurden dabei jedoch am 12.04. von Isarwinkler Bauern angegriffen und ein Adjutant und 5 weitere Panduren getötet. Freiherr von Trenck, der kaiserliche Offizier der Panduren kam am 22.05.1742. persönlich nach Tölz und forderte die Auslieferung des Mörders seines Adjutanten. Da sich die Tölzer weigerten, ließ er nach und nach 22 Anwesen in Brand stecken.

Am 26.05.1742 zahlte Friedrich Nockher erneut 4000 Gulden an die Panduren, um eine Plünderung der Stadt abzuwenden.

1743 quartierten sich österreichische Truppen in Tölz ein.

Ab 1750 erlebten Flößerei und Holzhandwerk eine erneute Blütezeit. Dabei wurden Holz, Kalk und Möbel bis nach München, Wien und Budapest geliefert.

1770 stürzten Teiles des Fürstlichen Schlossen nach einem Unwetter ein. Das Schloss wurde abgetragen, die Steine nach München geliefert und dort in der Residenz verbaut.


1796 zogen französische Truppen durch Tölz.

1808 erhielt Tölz die Municipalverfassung.

1809 waren Tölzer Schützen beim Kampf gegen die Tiroler beteiligt.

1861 entstand das Städtische Krankenhaus.

1846 entdeckte der Drechslersohn Kaspar Riesch am Sauersberg Deutschlands stärkste Jodquellen. Gustav Höfler gründete daraufhin 1856 das „Krankenheil Tölz“, als Jodschwefelquellen- und Jodsodamineralbad. Zwischen 1856 und 1900 wurden weitere Jodquellen entdeckt und Tölz wurde zum beliebten Kur- und Badeort.

1867 verlangte das „Eisenbahn-Comité in Tölz“ eine eigene „Holz- und Kohlenbahnlinie“. 1869 begann die Streckenvermessung und 1872 wurde der erste Bauabschnitt vollendet.

1874 wurde die Bahnstrecke Holzkirchen–Tölz als Vicinalbahn eröffnet. Auch das erste Bahnhofsgebäude aus rotem Backstein entstand 1874.

Aufgrund vieler Kur und Badegäste aus Norddeutschland wurde 1879/80 die erste evangelische Kirche, die Johanneskirche erbaut.

1888 war Tölz an das Stromnetz angeschlossen. Drei Elektrizitätswerke beleuchteten private und öffentliche Gebäude sowie Straßenzüge.

Am 22.06. 1899 wurde Tölz der Titel „Bad“ verliehen, die Ortsbezeichnung „Krankenheil“ aus dem Jahr 1856 verschwand.

Ab dem 01.06.1905 nahm die erste Kraftpostlinie Deutschlands zwischen Bad Tölz und Lenggries den Dauerbetrieb auf.

Am 14.10.1906 erhielt Bad Tölz das Stadtrecht. Im gleichen Jahr wurde Franz Edler von Koch Direktor der "Krankenheiler Jodquellen A.G.".

Durch den Münchner Architekturprofessor Gabriel von Seidl entstanden seit 1903 neue Gebäude, Fassadenmalereien und große Umgestaltungen, die das Bild der Stadt bis heute prägen. Auch der Stadtbaumeister Peter Freisl trug maßgeblich dazu bei, aus Bad Tölz einen modernen Badeort zu machen.

Durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes verlor die Flößerei an Bedeutung und die Tölzer Brauereien wurden weniger. Das Königreich Bayern begann sich zu einem Industriestaat zu entwickeln. Orte entlang der Hauptbahnlinien, wie z.B. Rosenheim, gewannen an Bedeutung und überholten Tölz. Auch Entscheidungen, wie die Auflösung der lateinischen Schule, unterbrachen die Entwicklung von Tölz. Da Ende des 19. Jahrhunderts viele traditionelle Säulen der städtischen Wirtschaft verloren gingen, sollte das Potenzial des Badewesens intensiver genutzt werden. Kennzeichnend waren die von Freisl initiierten Neubauten und Sanierungen, der Erwerb von Grundstücken, die Verbesserung der Hygiene, etwa durch den Bau des Waldfriedhofs und die Verlagerung der Schlachthöfe aus dem Zentrum, der Neu- und Ausbau von Schulen sowie die Verbesserung der Infrastruktur durch neue Straßen, Isarbrücke und Bahnhof.

1924 wurde nach Ausweitung der Bahnstrecken auch ein größerer Bahnhof erbaut. Die alten Bahnanlagen wurden aufgegeben.

150 Gefallene und Vermisste zählte Bad Tölz nach Ende des Ersten Weltkrieges. Nach Kriegsende lebte der Kurbetrieb stark auf.

1924 wurde das Walchenseekraftwerkes erbaut. Als Folge führte die Isar kaum noch genug Wasser zur Flößerei.

1928 wurde der Eishockeyverein EC Bad Tölz gegründet.

1934 entstand das Natureisstadion, das 1952 zum Kunsteisstadion umgebaut wurde.

1934 nahm die erste der SS-Junkerschulen, sowie eine NS-Beamtenschule in Bad Tölz den Lehrgangsbetrieb auf.

Mitte 1940 wurde in Bad Tölz ein Außenlager des KZ Dachau errichtet.

1940/41 wurde in Bad Tölz und Umgebung aus Einheimischen die 97. Jäger-Division aufgestellt.

Am 27.03.1945 wurde in Bad Tölz noch die 38. SS-Grenadier-Division „Nibelungen“ aufgestellt. In der Nacht vom 02. auf den 03.05.1945 besetzten die Amerikaner Bad Tölz. Von 1.300 Einberufenen hatte Tölz im Zweiten Weltkrieg 361 Gefallene und 92 Vermisste zu beklagen.

Nach Kriegsende wurde die SS-Junkerschule von den US-amerikanischen Streitkräften übernommen. Der US-General George S. Patton übernahm nach dem Krieg das Amt des Militärgouverneurs von Bayern und regierte vorübergehend von Bad Tölz aus. Die SS-Junkerschule wurde in Flint-Kaserne umbenannt.

1956 wurde der Tölzer Knabenchor gegründet.

1969 wurde Bad Tölz als Heilklimatischer Kurort und 2006 als Moorheilbad anerkannt.

1970 eröffnete mit dem Alpamare Europas erstes rein privat finanziertes und betriebenes Erlebnisbad in Bad Tölz. Der Betrieb wurde am 30.08.2015 jedoch eingestellt.

2005 wurde das neue Eisstadion eröffnet.