Bernkastel-Kues, Deutschland


Bernkastel-Kues ist eine Stadt an der Mittelmosel in Rheinland-Pfalz. Bernkastel-Kues gehört zum Landkreis Bernkastel-Wittlich. Frühere Schreibweisen des Ortes waren auch Bernkastel-Cues und Berncastel-Cues.

Die Stadt gliedert sich vier Stadtteile

  • Andel und Bernkastel am rechten Moselufer
  • Kues und Wehlen am linken Moselufer

Auf den folgenden Gedenkseiten finden Sie Informationen zu Personen, die aus diesen Orten stammten.

Panoramaansicht auf Kues 2013 © Roland Klinger

Chronik


Funde einer großen brandkeramischen Siedlung belegen eine frühe Besiedlung um 3000 v. Chr. des heutigen Gebietes von Bernkastel-Kues. Aus dem Jahr 600 v. Chr. datieren Funde aus keltischer Zeit.

Um 50 v. Chr. bis etwa 400 n. Chr. wurde die Mosel von Römern besiedelt. Die nahegelegene Stadt Trier war damals die zweitgrößte Stadt im römischen Reich. Auch das Gebiet des heutigen Bernkastel-Kues war von Römern besiedelt, wie der Fund eines römischen Kastells belegt.

Um 1035 wurde Bernkastel erstmals in einer Schenkungsurkunde an die Abtei St. Matthias urkundlich erwähnt. 1228 wird der Weinbau in der Region erstmals urkundlich erwähnt.

Um 1280 erwirbt der Trierer Erzbischofs Heinrich II. von Finstingen alle Güter und Rechte in Bernkastel und sein Nachfolger, Erzbischof Boemond I. vergrößert die Burg und Stadtbefestigung und lässt Höfe ansiedeln.

1291 erhält Bernkastel die Stadtrechte, welche 1332 durch Kaiser Ludwig von Bayern erneut bestätigt wurden.

1356 wurde durch die Goldene Bulle Erzbischof Boemund II. Kurfürst. Der Sage nach wurde er durch ein Glas Wein von einer schweren Krankheit geheilt, die Legende um den Berncastler Doctor nahm ihren Anfang.

1401 wurde der Humanist Nikolaus von Kues (lateinisch Nicolaus Cusanus) als Sohn des Moselschiffers und Kaufmanns Johann „Henne“ Cryfftz geboren.


Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Nicolaus Cusanus, Ausschnitt aus dem Epitaph in S. Pietro in Vincoli, Rom - Verlag: Gebr. Metz, Tübingen - Metz Photokarten
Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Alte Fotografie des Cusanus-Geburtshauses aus dem Jahr 1870
Quellen: Kreis Bernkastel-Wittlich, Jahrbuch 2001

 

1451 wurde das Armenhospital St.-Nikolaus-Hospital errichtet.

Um 1466 gab es Erzbergbau in Bernkastel-Kues.

1512 übernachtete Kaiser Maximilian auf dem Weg zum Reichstag in Trier in Bernkastel.

1606 wird der Michaelsbrunnen auf dem Marktplatz errichtet und die Stadt unter den Schutz des Erzengels Michael gestellt.

1608 wird mit dem Bau des Rathauses am Marktplatz begonnen.

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 bringt viel Elend über die Bevölkerung. Zusätzlich sterben 1627 viele Bernkasteler Bewohner an der Pest. 1641 wütet die Pest dann auch in dem Dorf Kues.

1671 wird die Heilig-Geist-Kapelle erbaut.

1673 bis 1689 werden Bernkastel und Kues von französischen Truppen belagert. 1692 brennt die Burg Landshut nieder.

1714 erhält Bernkastel das Recht, vier Märkte im Jahr abzuhalten.

Vom 27. bis 28.02.1784 tritt die Mosel über die Ufer. Es wird das höchste Hochwasser mit einem Pegelstand von 11,49 Metern seit Menschengedenken in Bernkastel registriert. Bis heute tritt die Mosel regelmäßig über die Ufer. 1993 erreichte das Hochwasser mit 11,23 Metern den zweihöchsten Stand seit 1784. Aber auch 1920 waren bei einem Pegelstand von 10,43 Metern die Straßen der Stadt überflutet.


Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Hochwasser Januar 1920 - Gaststätte Etteldorf
Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Hochwasser Januar 1920 - Volksschule im Hochwasser

1794 bis 1814 waren die Stadt Bernkastel und das Winzerdorf Kues unter französischer Herrschaft. In Paris erwirbt Anton Cetto 1904 von den Franzosen den gesamten Doctorweinberg. 1815 fielen Bernkastel und Kues aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses an Preußen und Bernkastel wurde 1821 Kreisstadt.

1834 erscheint erstmals die Bernkasteler Zeitung.

1848 kam die Revolution auch nach Bernkastel: die schwarz-rot-goldene Fahne wurde am Rathaus gehisst und eine Bürgerwehr gebildet.

1852 wurde die neue Synagoge zusammen mit einem jüdischen Gemeindehaus an der Burgstraße eingeweiht. In der Bernkastel und Kues lebten zu dem Zeitpunkt 102 Juden.


1857 wurden bei einem großen Stadtbrand viele Häuser und Wohnungen zerstört.

1858 wurde die Kreissparkasse in Bernkastel gegründet.

1872 bis 1874 wurde die erste Straßenbrücke zwischen Bernkastel und Kues gebaut, 1882 bis 1883 die erste Bahnverbindung.

1876 wurde die Freiwillige Feuerwehr Bernkastel gegründet.

1884/85 wurde in Kues ein Gaswerk in Betrieb genommen.

1886 wurde mit dem Bau eines privaten Wasserwerkes begonnen, welches 1904 von der Stadt gekauft wurde.

Ende 1892 / Anfang 1893 kennzeichnen meterhohe Eisberge und zerbrochene Schiffe im Hafen den kältesten Winter, den es jemals an der Mosel gab.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Ehrenmitglieder und aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Bernkastel-Kues 1926 vor dem Gebäude der alten Volksschule.

Von 1902 bis 1905 wurde die Moselbahn zwischen Trier und Bernkastel nach Bullay gebaut.

Am 01.04.1905 wurde die Stadt Bernkastel mit dem Winzerort Kues zur heutigen Stadt Bernkastel-Kues zusammengelegt.

1912 wurde die neue Volksschule in der heutigen Schulstraße eröffnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Bernkastel-Kues zunächst von amerikanischen Truppen besetzt, ab 1919 von französischen Truppen.

1920 wurde das erste Lichtspielhaus in Bernkastel eröffnet. Die Stadt gab aufgrund der Inflation die ersten Notgeldscheine heraus.

Am 28.07.1921 wurde der niedrigste Wasserstand von NNW 0,47 Meter an der Mosel registriert. Der Wasserstand war so niedrig, dass man durch die Mosel zur anderen Uferseite gehen konnte.



Im November 1923 war der Höhepunkt der Inflation auch in Bernkastel-Kues erreicht. Selbst 1 Billion, ein Kontostand von dem sicher heute viele Menschen träumen, reichte nicht mehr zum Leben. Die damalige Hyperinflation sorgte für einen Zusammenbruch der Wirtschaft und des Bankensystems. Die Arbeitslosigkeit stieg massiv, während die Löhne ins Bodenlose fielen. Die Zahl der Neumitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands stieg. Am 11.11.1924 wurde die Reichsmark als neue Währung eingeführt.


1926 hatte die Verarmung der Moselwinzer einen Grad erreicht, wie man ihn zuvor noch nicht gekannt hatte. Missernten, Hochwasser der Vorjahre wurden für das Erliegen des Weinabsatzes und die damit verbundene Not der Winzer in Bernkastel-Kues verantwortlich gemacht. Trotz hoher Schutzzölle wurde der Weinmarkt seit 1923 zudem von billigen französischen Weinen überschwemmt. Verschärft wurde die Situation 1924 durch spanische Weinimporte, für die die Zolltarife extrem reduziert wurden und die so den Markt überfluteten, während die Moselwinzer ungewöhnlich hohe Steuerbelastungen hinnehmen mussten. Als 1926 bekannt wurde, dass der Handelsvertrag mit Spanien verlängert werden sollte, versammelten sich die Winzer, um für eine Steuersenkung, Gewährung zinsloser Darlehen und Kündigung des Handelsvertrages mit Spanien zu kämpfen. Die Behörden reagierten jedoch nicht und so kam es im November 1926 zum Aufstand der Winzer.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). 1926 kam es zu großen Winzerunruhen an der Mosel, bei denen das Finanzamt in Bernkastel und das Zollamt in Kues am 25.11.1926 gestürmt wurden. Die alte Postkarte zeigt die Erstürmung des Finanzamtes - Postkarte vom Winzeraufstand in Bernkastel. Alleiniges Verlagsrecht Gebr. Kaiser, Bernkastel Nr.1999 22.

1930 wird Bernkastel-Kues vom Reichspräsidenten von Hindenburg besucht, nachdem das Rheinland von der französischen Besatzung befreit wurde.

1931 findet am 05.10 erstmals die Bernkasteler Weinkirmes statt. Die folgenden Bilder aus dem Archiv "tz" und Roland Klinger liefern Eindrücke von der ersten Weinkirmes, an der sich tausende Menschen erfreuten.


Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Nicht nur der Zweite Weltkrieg setzte den Einwohnern Bernkastel-Kues zu, sondern auch die strengen Winter während des Krieges. Wie 1892/1893 gab es auch 1940 einen kalten Winter mit hohen Eisschollen an der Mosel. Bild vom 04.02.1940. Quelle: Herr Wilbert, Bernkastel und Roland Klinger 

Am 13.12.1933 wurde die zweite Moselbrücke, die „Hermann-Göring-Brücke“ in Anwesenheit von Göring eingeweiht. Die Brücke wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 gesprengt.

1934 wurden die Gaslampen der Straßenbeleuchtung vom RWE auf elektrische Lampen umgestellt.

In der Reichspogromnacht vom 09.11. auf den 10.11.1938 gab es wie überall im Land schwere Ausschreitungen gegen jüdische Einwohner und die Synagoge wurde zerstört. Bei Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 lebten 59 Juden in Bernkastel-Kues. Wenige von ihnen konnten den Schrecken des Nationalsozialismus entfliehen. Während des Krieges wurde Bernkastel-Kues stark zerstört und viele Einwohner starben bei Luftangriffen der Alliierten. Am 15.03.1945 wurde Kues von amerikanischen Truppen eingenommen, am 16.03.1945 folgte die Einnahme Bernkastels. Bernkastel-Kues kam zur französischen Besatzungszone.


Hans Weber wurde 1946 bei den ersten demokratischen Wahlen nach Kriegsende Bürgermeister der Stadt Bernkastel-Kues.

Zwischen 1947 bis 1953 wurde eine neue Moselbrücke gebaut.

1951 wurde das Stadtwappen geändert. Der schwarze Bär wurde durch einen roten Krebs zu Ehren des 1401 geborenen Nikolaus Cryfftz, später bekannt als Nikolaus von Kues (lateinisch Nicolaus Cusanus), ersetzt. Der Nachname Cryfftz bedeutet „Krebs“.

Zwischen 1960 bis 1964 wurde der Kueser Hafen für die Großschifffahrt ausgebaut.

1965 erschien die letzte Ausgabe der Bernkasteler Zeitung, deren Druck nach 131 Jahren eingestellt wurde.

1975 wurden die beiden ersten Kurkliniken in Bernkastel-Kues eröffnet. Bereits 2 Jahre später wurde mit dem Bau einer dritten Klinik begonnen.

1980 wurde das Geburtshaus von Nikolaus von Kues von Grund auf restauriert.

1986 eröffnete das Heimatmuseum im Graacher Tor.

1988 wurde eine Gedenktafel für die Opfer der Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges am Bärenbrunnen enthüllt.

1991 fand die Feier zum 700-jährigen Stadtjubiläum statt.

2001 besuchte Bundespräsident Johannes Rau im Rahmen der Feierlichkeiten zum 600. Geburtstag von Nikolaus von Kues die Stadt.

2018 wurde 70 Jahre Weinfest an der Mittelmosel in Bernkastel-Kues gefeiert.


Danksagung

Wir bedanken uns herzlich bei Roland Klinger aus Niederkassel-Mondorf, der uns die wundervollen Fotos von Bernkastel-Kues zur Verfügung gestellt hat. Alle Fotos auf dieser Seite stammen aus seiner Sammlung.

Herr Roland Klinger hat über Jahrzehnte Fotos, Zeitungen, Werbung und alles Wissenswerte über Bernkastel-Kues zusammengetragen. Ein Besuch auf seiner Homepage lohnt sich nicht nur für Einwohner des bezaubernden Moselstädtchens, sondern für jeden.