Bielefeld, Deutschland


Bielefeld ist eine kreisfreie Großstadt im Regierungsbezirk Detmold in Nordrhein-Westfalens. Bielefeld ist sie die größte Stadt der Region Ostwestfalen-Lippe und deren wirtschaftliches Zentrum.

Seit 1828 wurden nach Bielefeld eingemeindet:

  • 1828 Gut Niedermühlen
  • 1900 Teile der Gemeinde Gadderbaum, Sparrenburg
  • 1907 Teile der Gemeinde Quelle, der Hof Meyer zu Olderdissen und der Schildhof
  • 1930 Gemeinden Schildesche Dorf, Sieker und Stieghorst, Teile der Gemeinden Gellershagen, Großdornberg, Heepen, Hoberge-Uerentrup, Oldentrup, Schildesche Bauerschaft und Theesen
  • 1961 Babenhausen
  • 1965 Brake
  • 1973 Städte Brackwede, Sennestadt und die Gemeinden Altenhagen, Brake, Babenhausen, Brönninghausen, Gadderbaum, Großdornberg, Heepen, Hillegossen, Hoberge-Uerentrup, Jöllenbeck, Kirchdornberg, Lämershagen-Gräfinghagen, Milse, Niederdornberg-Deppendorf, Oldentrup, Schröttinghausen, Senne I, Theesen, Ubbedissen, Vilsendorf

Auf den folgenden Gedenkseiten finden Sie Informationen zu Personen, die aus diesen Orten stammten.

Chronik

Mittelalter


Mitte des 9. Jahrhunderts wurde der Ort Bielefeld erstmals erwähnt. Aus dem Jahr 1214 stammt die erste Erwähnung Bielefelds als Stadt. Bielefeld entstand im Hochmittelalter mit der Absicht, die Herrschaft des Landesherrn zu sichern, da sie an der Grenze zur Grafschaften Ravensberg lag.

1236 wurde eine kirchliche Gemeinde in Bielefeld gegründet. Aufgrund der strategisch günstigen Lage an der Kreuzung mehrerer Handelsrouten und einem wichtigen Pass über den Teutoburger Wald wurde Bielefeld schnell zum Wirtschafts- und Finanzzentrum der Grafschaft Ravensberg und lockte viele Kaufleute aus dem Umland an.

Durch Wassergräben und Mauern war die Stadt vom Umland getrennt. Nur tagsüber wurden in Bielefeld die Stadttore geöffnet.

Um 1240 wurde mit dem Bau der Sparrenburg begonnen, die nach ihrer Fertigstellung als Wohnsitz des Landesherrn und seines Gefolges diente.

Ab 1293 entstand die Neustadt, als sich die zum Bau der Burg benötigten Handwerker vor den Stadttoren Bielefelds niederließen. Die Altstadt und Neustadt von Bielefeld waren jedoch unabhängig voneinander und wurden erst 1520 zu einer Stadt vereint.

Nach dem Tod des letzten Ravensberger Grafen, fiel Bielefeld 1346 an die Grafschaft Berg und 1426 an das Herzogtum Jülich-Berg. Von den vielen Kriegen des Mittelalters wurde Bielefeld fast gänzlich verschont. Durch den Beitritt zur Hanse wuchs der Wohlstand in der Bevölkerung, die sich überwiegend aus Kaufleuten und Handwerkern zusammensetzte.

 

1498 bis 17. Jahrhundert


1498 wurde das Jostbergkloster von Franziskanern gegründet.

Ab 1542 wurde in Bielefeld die Reformation eingeführt. Das Franziskanerkloster blieb jedoch katholisch, und die Franziskaner übernahmen die Seelsorge für die wenigen verbleibenden Katholiken.

1609 fiel Bielefeld aufgrund des Jülich-Klevischen Erbfolgestreites an die Mark Brandenburg.

Am 30.10.1612 richtete ein schweres Erdbeben große Schäden in der Stadt an.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde die Sparrenburg nacheinander von holländischen, spanischen, schwedischen und französischen Truppen besetzt.

1636 und 1637 wütete die Pest in Bielefeld.

1648 fiel Bielefeld aufgrund der Beschlüsse des Westfälischen Friedens an die Mark Brandenburg, Haus Hohenzollern. 1666 bis zum Jahr 1947 gehörte Bielefeld zu Brandenburg-Preußen.

Im 17. Jahrhundert entstand der Leinenhandel in Bielefeld. Statt Getreide bauten die Bauern vorzugsweise den staatlich subventionierten Flachs an und verarbeiteten diesen als Leineweber in Heimindustrie zu Leinen. Der Leinenhandel führte zu einem gewissen Wohlstand in der Stadt, was man heute noch an den Patrizierhäusern in der Altstadt erkennen kann.

Im Mai 1829 wurde das Franziskanerkloster durch den preußischen König aufgehoben. Es wurde danach als Gymnasium genutzt.

 

Deutsches Kaiserreich


1717 wurde in die erste Straßenbeleuchtung eingeführt.

1775 ließ Friedrich der Große Kasernen für die Bielefelder Garnison errichten. In der Regierungszeit Napoleons gehörte Bielefeld als eigener Distrikt und Kanton zum französischen Vasallenstaat Königreich Westphalen. Von 1813 bis 1815 gehörte Bielefeld provisorisch zum Zivilgouvernement zwischen Weser und Rhein.

1815 wurde die Provinz Westfalen gegründet und Bielefeld gehörte zum Königreich Preußen.

1830 geriet die Bielefelder Leinenproduktion in eine schwere Krise, da in Irland, England und Belgien mit der Produktion maschinell gewebter Stoffe begonnen wurde, mit dem das Leinen nicht mithalten konnte. Verschärft wurde die Lage durch eine Ernährungskrise 1844. Die wirtschaftliche Not der Einwohner führte zu Unruhen und der Revolution von 1848. Viele Menschen wanderten in dieser Zeit nach Amerika aus.

1847 erfolgte die Anbindung Bielefelds an die Cöln-Mindener Eisenbahn. Kurze Zeit später entstanden dadurch Fabriken. Die Ravensberger Spinnerei entwickelte sich in der Zeit zur größten Flachsspinnerei in Europa.

1870 war Bielefeld das Zentrum der Textilindustrie in Deutschland. Die Verbindung von Industrialisierung mit ländlicher Heimproduktion und die Herkunft der meisten Industriearbeiter aus bäuerlicher Nebenerwerbswirtschaft spiegelte sich auch in der Stadtstruktur wider. Anders als in vielen Industriestädten wohnte die Bevölkerung nicht in Mietwohnungen, sondern überwiegend in freistehenden Häusern. Dies hatte allerdings eine Zersiedlung Bielefelds zur Folge.

Neben der Textilindustrie entwickelte sich der Maschinenbau.

Mit dem Oetker-Konzern entstand Ende 1891 einer der größten Nahrungsmittelhersteller Europas.

1900 fuhr die erste elektrische Straßenbahn durch Bielefeld.

Im August 1914 meldeten sich rund 10.000 Bielefelder für den Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg.

 

Weimarer Republik und Zweiter Weltkrieg


Nach dem ersten Weltkrieg lebten breite Bevölkerungskreise in Not. 1919 erstürmten hungrige Bielefelder den Wochenmarkt, es kam zum Schusswechsel zwischen Reichswehr und Demonstranten.

1920 wurde zeitweilig der Belagerungszustand über Bielefeld verhängt und auf einer Großdemonstration protestierten 10.000 Bürger gegen die kritische soziale Lage. Seit 1918 gab die Stadt-Sparkasse Bielefeld bis 1923 Notgeld Banknoten in Leinen, Seide und Samt heraus.

1933 wurden alle anderen Parteien mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten aufgelöst.

Die Synagoge der 900 Mitglieder umfassenden jüdischen Gemeinde Bielefelds wurde in der Reichspogromnacht niedergebrannt, 17 jüdische Geschäfte verwüstet und teilweise geplündert. Viele Juden flohen ins Ausland, als ihnen die Führung von Geschäften und Handwerksbetrieben untersagt und ihr Vermögen beschlagnahmt wurde. Juden, die nicht rechtzeitig fliehen konnten, wurden seit dem 13.12.1941 nach Riga, Auschwitz, Warschau und Theresienstadt deportiert. Von den insgesamt 460 deportierten Juden überlebten nur rund 60 den Holocaust.

Zu Kriegsbeginn wurde die Maschinenproduktion auf Rüstungsgüter umgestellt. Da immer mehr Bielefelder Männer zur Wehrmacht eingezogen wurden, entstand ein Mangel an Arbeitskräften. Deshalb wurden mehr als 14.000 Zwangsarbeiter aus Polen und der Ukraine nach Bielefeld deportiert um dort Rüstungsgüter zu produzieren.

Im Juni 1940 fielen die ersten Bomben auf Bielefeld, hinterließen jedoch keine größeren Schäden. Bei einem Luftangriff am 30.09.1944 starben 649 Menschen und die Altstadt wurde stark zerstört. Mehr als 1.300 Menschen verloren ihr Leben bei Bombenangriffen und mehr als 15.000 Wohnungen wurden zerstört oder beschädigt.

Am 04.05.1945 konnten US-Truppen Bielefeld nahezu kampflos einnehmen.

 

Nachkriegszeit und Wiederaufbau


In der Nachkriegszeit, wurden viele zerstörte historische Bauten durch moderne Bauten ersetzt. Das Erscheinungsbild von Bielefeld änderte sich dadurch komplett.

Innerhalb weniger Jahre wurde die Industrie erneut aufgebaut und es begann der wirtschaftliche Aufschwung für die Stadt. Die Textilindustrie verlor jedoch an Bedeutung. Bielefeld entwickelte sich zu einem Dienstleistungszentrum.

Die Einwohnerzahl stieg durch den Zustrom von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen sprunghaft an. Aufgrund der Wohnungsnot entstand 1956 die Sennestadt, eine Wohnstadt ohne Kreuzungen.

1969 wurde die Universität Bielefeld gegründet.

1973 wurde Bielefeld im Rahmen mit den Städten und Gemeinden des Kreises Bielefeld mit Ausnahme weniger Gebiete zu einer kreisfreien Stadt zusammengeschlossen.

1991 wurde nach 20 Jahren Bauzeit die Stadtbahn in Betrieb genommen.