Defregger Matthias, 1915, München


Geboren am:

18.02.1915 in München

Gestorben am: 23.07.1995 in München
Verheiratet: nein
Kinder: nicht bekannt
Geschwister: nicht bekannt
Eltern: Vater Hans Defregger


Vom Saulus zum Paulus?

Matthias Defregger wurde am 18.02.1915 in München als Sohn des Bildhauers Hans Defregger geboren. Er studierte am Jesuitenkolleg „Stella Matutina“ im österreichischen Feldkirch (Vorarlberg).

1935 wurde er als Reserveoffiziersanwärter zum Wehrdienst eingezogen. Er verpflichtete sich freiwillig für ein drittes Dienstjahr und wurde Leutnant der Reserve, später Berufsoffizier. Er war am Polen-Feldzug beteiligt und 1943 als Hauptmann in Russland. Im Mai 1944 übernahm er als Kommandeur die zur 114. Jägerdivision gehörende und in Italien stationierte Nachrichten-Abteilung 114. Am 07.06.1944 griffen in der Nähe von Filetto di Camerda am Gran Sasso Partisanen einige Soldaten diese Nachrichtenabteilung an, woraufhin der Divisionskommandeur Generalleutnant Hans Boelsen als Vergeltungsaktion die Erschießung der Einwohner von Filetto di Camerda anordnete.

Matthias Defregger erhielt den Befehl und ließ 17 Einwohner zwischen 17 und 69 Jahren erschießen und den Ort in Brand stecken. Sechs Monate später wurde Defregger zum Major befördert. Nach Kriegsende verschwieg er seine Mitwirkung an den Erschießungen vom Gran Sasso 25 Jahre lang. In den Jahren 1969 und 1970 wurden sie Gegenstand von Gerichtsverfahren. Der „Spiegel“ berichtete im Juli 1969 über die Einstellung des Verfahrens wegen Verjährung als Totschlag. Daraufhin wurde das Verfahren neu aufgenommen, doch erneut im August 1969 sowie endgültig im September 1970 mit der Begründung eingestellt, Matthias Defregger habe seinerzeit den „verbrecherischen Charakter“ der Erschießungen nicht erkennen können.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgte er eine kirchliche Laufbahn. Am 29.06.1949 wurde er vom Münchner Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber im Freisinger Mariendom zum Priester geweiht. Ab dem 01.06.1949 war er Kaplan in München-Obersendling. Nach seiner kurzen Tätigkeit in der Pfarreiseelsorge wurde er schon bald auf diözesaner Ebene tätig. Am 01.09.1953 berief ihn Kardinal Joseph Wendel zu seinem persönlichen Sekretär. Er war maßgeblich an der Vorbereitung des Eucharistischen Weltkongresses (1960 in München) beteiligt. Am 01.01.1962 wurde Matthias Defregger unter Kardinal Julius Döpfner Domkapitular des Metropolitankapitels, am 01.05.1962 wurde er Generalvikar und damit direkter Stellvertreter des Erzbischofs von München und Freising. 1968 wurde er von Papst Paul VI. zum Weihbischof des Erzbistums München und Freising geweiht und Titularbischof von Vicus Aterii. Am 14.09.1969 wurde er zum Bischof geweiht. Am 15.08.1981 wurde während einer Wallfahrt in München vor der Kirche Maria Ramersdorf ein Attentat auf ihn verübt, bei dem er mit einer Zyankali-Lösung verletzt wurde.

Am 06.04.1990 bat er um Entpflichtung von seinen Aufgaben, wirkte aber weiterhin als Zelebrant und Prediger. Er wohnte bis zu seinem Tod 1995 in Pöcking am Starnberger See.

Matthias Defregger  starb am 23.07.1995 in München im Alter von 80 Jahren. Auf seinen eigenen Wunsch wurde er in Amlach in Osttirol, unweit von Lienz, beigesetzt.


Gedenkseite 699