Essen, Ruhrgebiet, Deutschland


Essen ist eine Großstadt im im Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen.

Aufgrund ihrer regionalen Bedeutung, Skyline und Lage wird die Stadt Essen auch als „Hauptstadt des Ruhrgebiets“ bezeichnet. Essen ist die viertgrößte Stadt in Nordrhein-Westfalen, hinter Köln, Düsseldorf und Dortmund.

Auf den folgenden Gedenkseiten finden Sie Informationen zu Personen, die aus diesem Ort stammten.

Chronik


Um 845 gründete eine Adelsfamilie um den späteren Bischof von Hildesheim, Altfrid, das Stift Essen für die Töchter des sächsischen Adels. Das Damenstift war Art Wohn- und Bildungsstätte für unverheiratete Töchter und Witwen des Hochadels, jedoch kein Kloster. In dem Gebiet, in dem das Damenstift errichtet wurde, gab es bereits vorher einige Gehöfte. Das erste belegbare urkundliche Datum für Essen ist das Jahr 898 als dem Stift vom lothringischen König Zwentibold linksrheinische Besitzungen vermacht wurden.

Das Damenstift wurde 1216 offiziell zum Fürstensitz. König Friedrich II. nannte die damalige Äbtissin in einem Brief Reichsfürstin – was sie dem Abt des nahe gelegenen Klosters Werden gleichstellte.

Im Jahre 1244 wurde die Stadtmauer errichtet. Die Urkunde hierüber ist die erste, die das Essener Stadtsiegel enthält. Die Essener Bürger entwickelten ein Bürgerbewusstsein.

Um 1290 lag die Bürgerschaft lag im Konflikt mit dem Stift, die wachsende Stadt forderte die Selbstverwaltung. 1336 gab es den ersten Versuch, die Reichsunmittelbarkeit zu erhalten, aber erst 1377 bekam Essen den Titel der freien Reichsstadt.

Aus dem 14. Jahrhundert stammen die ersten Belege über bergmännische Tätigkeiten in Essen:

  • 1349 erhielt die Fürstäbtissin das Recht, die Bodenschätze auszubeuten
  • 1354 wurde nachweislich Silber abgebaut
  • 1450 gab es das erste Kohlebergwerk in Essen.

Die rechtlichen Streitereien zwischen Stadt und Stift um die Vorherrschaft in der Region Essen hielten bis zur Auflösung des Stiftes 1803 an.

1563 schloss sich die Stadt der Reformation an und wurde evangelisch. Als Kirche diente die Marktkirche, die aus dem 11. Jahrhundert stammt (ursprünglich St. Gertrudis).

Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde Essen zur Waffenschmiede. Gegen 1570 erblühte das Büchsenmacherhandwerk. 1620 produzierten die Essener Schmieden bereits 14.000 Gewehre und Pistolen und die Stadt Essen wurde strategisch interessant.


Dreißigjähriger Krieg

Im Dreißigjährigen Krieg standen sich die evangelische Stadt Essen und das Stift als Feinde gegenüber. Die damalige Äbtissin des Stifts holte 1623 die katholischen Spanier nach Essen, um gegenreformatorisch gegen die evangelische Stadt vorzugehen. 1624 wurde ein Rekatholisierungsgesetz erlassen und der Kirchgang der Bürger kontrolliert. Die Stadt, nicht das Stift, war für Kost und Logis der Besatzungstruppen zuständig. 1628 klagten die Essener dagegen vor dem Reichskammergericht.

1629 wurde Essen von den Holländern gestürmt. Die Äbtissin floh am 04.11.1629 ins katholische Köln, wobei sie selbstverständlich den Kirchenschatz mitnahm. Im Sommer 1631 kam sie mit einer bayerischen Garnison unter Gottfried Heinrich zu Pappenheim nach Essen zurück, musste aber schon im September 1631 wieder abziehen.

Die Essener Bevölkerung war vom Krieg schwer geschlagen, es kam immer wieder zu Verhaftungen, zur Verschleppung von Menschen und zur Nötigung in den Kriegsdienst. Nach dem Westfälischen Frieden verließen die letzten Truppen Essen am 09.09.1650.


Besetzung durch Preußen und Franzosen

1802 wurde das Stift in Essen von preußischen Truppen besetzt, da es im Zuge der Säkularisation als Entschädigung für Verluste auf dem linken Rheinufer dienen sollte, was auch im Reichsdeputationshauptschluß 1803 staatsrechtlich bestätigt wurde. Essen und Werden wurden der Grafschaft Mark eingegliedert.

1806 folgte die dann die Besetzung durch französische Truppen. Essen und Werden wurden am 03.11.1806 vom Großherzogtum Berg annektiert. Dies wurde jedoch erst 1808 in einem Vertrag zwischen dem Großherzogtum Berg und Frankreich, dem im Frieden von Tilsit 1807 alle preußischen Provinzen westlich der Elbe abgetreten wurden, bestätigt. Essen und Werden gehörten also bis Ende 1813 zum Großherzogtum Berg, seither wieder zu Preußen und seit 1822 zur preußischen Rheinprovinz.


Industrie und Familie Krupp

Die bekannteste Familie aus Essen, dürfte die Familie Krupp sein denn deren Industrie hat die Stadt Essen stark geprägt. Die Familie Krupp war seit dem 16. Jahrhundert ansässig und bekleidete hohe Ämter.

1811 gründete Friedrich Krupp die Krupp-Gussstahlfabrik. Anfänglich liefen die Geschäfte schlecht, wurden aber mit den Jahren immer besser. Die Beschäftigung bei Krupp brachte den Stadtbewohnern Arbeit und Geld. Der Bedarf an neuen Arbeitern führte zu einer deutlichen Zunahme der Bevölkerung Essens.

Als es Alfred Krupp 1846 gelang, einen nahtlosen Reifen herzustellen, begann die große Firmenexpansion. Diese führte dazu, dass die Werksanlagen westlich des alten Stadtgebietes bereits 1873 auf mehr als 300 ha Fläche angewachsen waren und das Zehnfache der Altstadtfläche erreicht hatten. Die Ära der Familie Krupp endete erst im Jahre 1967 mit der Abdankung von Arndt von Bohlen und Halbach.

1892 stiftete der Industrielle Friedrich Grillo stiftete der aufstrebenden Stadt ein Theater und Opernhaus, welches heute nach wie vor den Namen Grillo-Theater trägt.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich auf dem Gebiet der Stadt Essen das dichteste Eisenbahnnetz des Ruhrgebiets und ermöglichten Anschlüsse zu den Zechenstandorten und Industriebetrieben. Mehrere Zechen entstanden nahe der Altstadt wie die Zeche Victoria Mathias im Nordviertel an der Altenessener Straße, die Zeche Hercules im Ostviertel sowie die Zeche Zur Hoffnung westlich der Innenstadt.

1865 übernahm die Stadt Essen das Gaswerk an der Straße Auf der Union (Thurmfeld).

1898 wurde die Aktiengesellschaft Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk gegründet. Das Werk wurde an der Altenessener Straße in unmittelbarer Nähe zur Zeche Victoria Mathias errichtet.


Erster Weltkrieg

August 1914 wurde Essen von einer Kriegseuphorie erfasst. Der Erste Weltkrieg wurde zu einer Materialschlacht mit einem enormen Bedarf an Waffen und Munition. Essen spielte dabei eine besondere Rolle, denn in der Gussstahlfabrik Krupp wurden Geschütze wie die Dicke Bertha gebaut. Während des Krieges stellte Krupp 22,5 Millionen Granaten und 25 Millionen Kartuschen her. Je länger der Krieg dauerte, desto schwieriger wurde das Alltagsleben in Essen. Lebensmittel wurden knapper, die Preise stiegen während Löhne weiterhin niedrig blieben. Im August 1916 war die ehemalige Kriegseuphorie verflogen, es gab die erste Antikriegsdemonstration. Im Winter 1916/1917 kam es zu einer großen Hungerkrise in der Bevölkerung. Die Arbeiterfamilien verarmten weiter. Im Februar 1917 kam es ausgehend von den Beschäftigten bei Krupp zu Proteststreiks von mindestens 20.000 Arbeitern gegen die Hungersnot.

Etwa 15.000 Soldaten aus der Stadt Essen fielen im ersten Weltkrieg und mehr als 5.000 wurden vermisst.


Weimarer Republik

Am 11.01.1923 marschierten französische und belgische Truppen ins Ruhrgebiet, darunter auch Essen, ein, weil der französische Ministerpräsident Raymond Poincaré glaubte, Deutschland käme seinen im Friedensvertrag von Versailles festgelegten Reparationszahlungen absichtlich nicht nach.

Am 31. März 1923 kam es zum traurigen Höhepunkt der deutsch-französischen Konfrontation. Ein kleines französisches Militärkommando hatte die damalige Kruppsche Wagenhalle an der Altendorfer Straße besetzt, um dort mehrere Fahrzeuge zu beschlagnahmen. Da die Werksleitung zur Arbeitsniederlegung aufrief, kam es zu Tumulten und die Franzosen fühlten sich in der Klemme. Diese ergriffen, um sich schießend, die Flucht. Dieses Ereignis forderte 13 Todesopfer und 28 Verletzte. Es herrschte große Empörung über das Blutbad. Der Trauerzug zum Südwestfriedhof am 10. April 1923 war einer der größten in der Geschichte der Stadt Essen. Die Franzosen verurteilten Gustav Krupp von Bohlen und Halbach und einige seiner Direktoren zu langjährigen Freiheitsstrafen. Die Besetzung des Ruhrgebietes endete im Sommer 1925.


Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Am 05.04.1933 wurde der amtierende Bürgermeister Heinrich Maria Martin Schäfer beurlaubt. Sein Amt wurde von den Nationalsozialisten übernommen, die das Amt mit  Theodor Reismann-Grone besetzten. Essen wurde in 27 Ortsgruppen der NSDAP aufgeteilt.

Am 10.10.1938 wurde die Synagoge gebrandschatzt. Sie blieb jedoch während des Zweiten Weltkrieges trotz Bombardierungen der Innenstadt im Äußeren fast unversehrt. Die Steeler Synagoge wurde völlig zerstört. Ebenso ein 1932 gebautes, jüdisches Jugendheim, an dessen Stelle 1959 die Neue Synagoge errichtet wurde. Ähnliche oder noch schlimmere Gewaltmaßnahmen gegen Juden fanden im gesamten Deutschen Reich am 10.10.1938 statt. Zehntausende Juden und Nicht-Arier kamen als Zwangsarbeiter in der NS-Zeit in 350 Essener Lager, genötigt zum Zwangsdienst bei Firmen wie Krupp, Siemens und unter Tage. In Essen gab es im Zweiten Weltkrieg mehrere KZ-Außenlager, wie das Lager Humboldtstraße, Gelsenberg und Schwarze Poth.

1942 gab es 26 Luftangriffe auf die Stadt, die allerdings nur wenig Schaden anrichteten.

Als Anfang 1943 die Wehrmacht die Schlacht von Stalingrad (heute Wolgograd) verlor, wuchsen die alltäglichen Belastungen auch in Essen. Durch die Krupp-Gussstahlfabrik war die Stadt ein bedeutendes militärisches Ziel für Angriffe seitens der Allierten. Am 05.03.1943 starteten auf Flugplätzen in England über 442 Flugzeuge. Gegen 21 Uhr wurden mit farbigen Christbäumen die Krupp-Werke und die Essener Innenstadt als Ziele markiert. Anschließend warfen rund 360 Bomber innerhalb einer Stunde in drei Wellen rund 1100 Tonnen Spreng- und Brandbomben auf das Essen. Mehr als 3.000 Gebäude wurden bei den Angriffen zerstört, Zehntauschende Menschen obdachlos und mehr als 450 getötet. Auch die Krupp-Werke nahmen erstmals größeren Schaden.

Am 11.03.1945 erlebte Essen den letzten Großangriff, bei dem die Versorgung mit Gas, Wasser und Licht zusammenbrach und aus den Kruppschen Fabrikanlagen ein riesiges Trümmerfeld wurde. 90% des Stadtkerns waren völlig zerstört. A, 27.03.1945 ließ der stellvertretende Gauleiter Fritz Schleßmann am 27. März 1945 verkünden, dass der Feind „mit brutaler Härte wieder herausgehauen“ werde. Zuvor sei aber die Räumung Essens erforderlich. Der Aufruf fand kein Gehör. Schleßmann kämpfte nicht für den propagierten Endsieg, sondern tauchte mit seiner Geliebten unter.

In der Nacht vom 05. auf den 06.04.1945 überschritten US-Soldaten den Rhein-Herne-Kanal und am 11.04.1945 wurde die Stadt offiziell an die US-Truppen übergeben.

Von den ehemals 660.000 Einwohnern lebten am Kriegsende nur noch 285.000 in Essen.


Wiederaufbau

Nachdem die Innenstadt während des Krieges zu 93% zerstört wurde, erfolgte in den Nachkriegsjahren der Wiederaufbau, der mit einem Strukturwandel einherging. So wurden die Reste der zerstörten Krupp-Werke demontiert, Krupp produzierte keinen Stahl mehr und in einigen Werkstätten wurde die Produktion auf Friedensgüter umgestellt. 1957/1958 geriet der Bergbau durch Erdölimporte und Kohleimporte in eine Krise. Die Bergleute mussten Feierschichten einlegen. Nach und nach mussten Zechen schließen. In den 60-er Jahren verschärfte sich die Krise weiter. Als am 23.12.1986 auf Zollverein die Förderung eingestellt wurde, endete Essens Tradition als Bergbaustadt endgültig. Stattdessen gewannen Handel und Dienstleistungen größeres Gewicht.

  • Am 26. Juli 1956 wurde der 700.000. Einwohner Essens geboren.
  • Am 30. Juni 1963 erreichte die Ruhrmetropole Essen die höchste Einwohnerzahl von 731.994. Danach verringerte sich die Bevölkerung ständig.
  • Am 01.01.1958 wird Essen zum Bischofssitz.
  • 1965 eröffnet die Bundesgartenschau in der Gruga.
  • 1972 wurde die Universität-Gesamthochschule Essen gegründet.
  • 05.10.1937 Eröffnung der ersten U-Bahn des Ruhrgebiets in Essen.
  • 07.11.1979 Eröffnung des 106 Meter hohen Essener Rathauses.
  • 08.11.1979 Eröffnung des City Center mit 26.000 Quadratmetern Nutzfläche.
  • 02.05.1987 Papst Johannes Paul II. Besucht Essen.
  • 01.01.1993 Größte Kundgebung in der Geschichte der Stadt. Mehr als 300.000 Menschen demonstrieren gegen Fremdenfeindlichkeit in Deutschland.
  • 2006 gewann Essen gemeinsam mit dem Ruhrgebiet für das Jahr 2010 den Wettbewerb zur Kulturhauptstadt Europas