Friedmann Eva geb. Kahn, 1877, Medernach


Geboren am:

19.06.1877 in Medernach

Gestorben am:

04.05.1942 im Ghetto Litzmannstadt (Lodz)

Verheiratet mit: Hugo Friedmann
Kinder: Johanna, Sitta, Friedrich, Bruno
Geschwister: Theresa, Louis, Celine, Hermann, Emile
Stiefgeschwister: 3, darunter Albert und Otto 
Eltern: Nathan Kahn und Sara Kahn geb. Levi

Aus ihrem Leben

Eva Kahn wurde am 19.06.1877 als erstes Kind des deutsch-jüdischen Ehepaares Nathan Kahn und Sara Kahn geb. Levi in Medernach, Luxemburg geboren. Ihre Eltern stammten aus den Dörfern Wawern und Bosen. Kahns, die zum größten Teil Viehhändler waren, gehörten seit Mitte der 1800er Jahre zum Gefüge der kleinen Stadt Medernach.

Ihre Geschwister Louis (1883 – 1885) und Cecilie (1886 – 1886) starben im Kindesalter. Ihre Geschwister Theresa (1882/1883) und Hermann (1885) starben vermutlich auch im Kindesalter. Im Alter von 12 Jahren verlor sie ihre Mutter. Nur ihr Bruder Emile aus der ersten Ehe ihres Vaters überlebte wie sie das Kindesalter. Ihr Vater heiratete nach dem Tod seiner Frau Sara, Mathilde Kahn.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Eva Friedmann mit Ehemann Hugo in Bernkastel-Kues - Quelle: Roland Klinger

Aus der Ehe stammen 3 Stiefgeschwister von Eva, darunter Albert und Otto.

Am 01.01.1902 heiratete Eva den Lehrer Hugo Friedmann und zog zu ihm nach Themar, wo er als Lehrer unterrichtete.

Aus der Ehe stammen vier Kinder. Ihr erstes Kind, Johanna, wurde Ende 1902 geboren. Bruno, ihr jüngstes Kind, wurde am 15. Oktober 1908 in Themar geboren. Die Familie Friedmann wohnte in der Oberstadtstraße/Hildburghäuserstraße 17, in den Wohnräumen der Synagoge und der jüdischen Schule.

1909 nahm ihr Mann Hugo Friedmann eine Lehrerstelle in Bernkastel-Kues im Moseltal an. So war Eva wieder näher bei ihrer Familie in Luxemburg. In Bernkastel-Kues wohnten die Friedmanns im Synagogengebäude in der Burgstraße 7. Ihre vier Kinder wurden langsam erwachsen: Mitte der 1920er Jahre heiratete Johanna, das älteste Kind, Karl Lang aus Frankfurt am Main und zog dorthin, um dort zu leben. Aus dieser Ehe stammen Evas erste Enkelkinder, Wilma und Werner.

Nach Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 schrumpfte die jüdische Gemeinde von 59 Mitgliedern schnell. Ihr Mann hatte nur noch 2 Schüler zu unterrichten. Bis Anfang 1938 hatten 3 Kinder bereits Deutschland verlassen. Ihr Sohn Friedrich wanderte 1933 nach Brüssel aus. 1935 wanderten ihre Tochter Johanna mit Familie und Kindern und der jüngste Sohn Bruno nach Südafrika aus. Nur ihre Tochter Sitta blieb mit der Familie in Deutschland.

Im Sommer 1938 beschlossen Hugo und Eva, Deutschland in Richtung Luxemburg zu verlassen. Zu diesem Zeitpunkt lebten nur noch 13 Juden in Bernkastel-Kues. Am 04.07.1938 beantragte ihr Schwager Karl für seinen Bruder Hugo und seine Schwägerin Eva die Erlaubnis, mit einer zehntägigen befristeten Erlaubnis nach Luxemburg einzureisen. Die Absicht war natürlich, dass Hugo und Eva nach ihrer Einreise nach Luxemburg nicht nach Deutschland zurückkehren würden. Eine Untersuchung der Gendarmerie am 07.07.1938 bestätigte, dass einige Gelder zur Verfügung standen, um Hugo und Eva zu unterstützen - Hugo hatte ein Bankkonto in Luxemburg, aber es reichte nicht aus, um 1000 Jahre – so bezeichnete Adolf Hitler sein Reich – dort zu leben. Erst als Karl weitere Garantien für seinen Bruder und seine Schwägerin übernahm, durften Eva und Hugo am 10.10.1938 nach Luxemburg reisen. Sie wohnten dort vom 24.10.1938 an in der Nordstraße in Ettelbrück.

Eva versuchte 1938 gemeinsam mit ihrem Mann auch ihre Tochter Sitta Lewin, deren Ehemann Ernst Lewin und das Enkelkind Joachim nach Luxemburg zu holen. Aufgrund fehlender finanzieller Garantien, war dies jedoch nicht möglich.

Luxemburg wurde als Teil der Region Trier-Koblenz an Deutschland angeschlossen. Anfänglich erlaubte das Nazi-Regime noch die Auswanderung von Juden in andere Länder, verbot diese aber am 15.10.1941.

Am 16.10.1941 begannen die Nationalsozialisten mit den ersten Deportationen von Luxemburg in den Osten. Eva Friedmann gehörte zusammen mit ihrem Mann Hugo, ihrem Schwager Karl und ihren Brüdern zu den ersten Juden, die am 16.10.1941 von Luxemburg in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert wurden.

Eva Friedmann starb am 04.05.1942 im Alter von 64 Jahren im Ghetto Litzmannstadt (Lodz).


Gedenkseite 2109