Friedmann Hugo, 1876, Neu-Ulm


Geboren am:

01.03.1876 in Neu-Ulm

Gestorben am:

13.06.1942 im Ghetto Litzmannstadt (Lodz)

Verheiratet mit: Eva Friedmann geb. Kahn
Kinder: Johanna, Sitta, Friedrich, Bruno
Geschwister: Klothilde, Adèle, Karl und Adolf
Eltern: Salomon und Johanna Friedmann

Aus seinem Leben

Hugo Friedmann wurde am 01.03.1876 als fünftes Kind von Salomon Friedmann, einem jüdischen Lehrer und dessen Frau Johanna in Neu-Ulm geboren. Zu seinen Geschwistern zählten die zwei Schwestern, Klothilde und Adèle und die Brüder Karl und Adolf. Sein Bruder Louis starb im Januar 1876 – zwei Monate vor seiner Geburt.

Hugo wuchs im Saarland auf, da sein Vater von 1885 bis 1895 dort als Lehrer tätig war. Nach Abschluss seiner Schulausbildung, begann Hugo sein Studium am 01.10.1892 am ILBA. ILBA steht für die Israelitische Lehrerbildungsanstalt (ILBA) in Würzburg, die von 1864 bis 1938 jüdische Lehrer und Pädagogen ausbildete. Im Juli 1895 schloss er sein Studium erfolgreich ab.

Seine erste Anstellung fand er in Illingen, Saarland. Ein Jahr später unterrichtete er in Schweich an der Mosel, wo es eine jüdische Gemeinde von etwa 90 Personen gab. Hier war er als Lehrer, Kantor und Schochet [Ritualmetzger] tätig. Ursprünglich unterrichtete er 17 

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Eva Friedmann mit Ehemann Hugo in Bernkastel-Kues - Quelle: Roland Klinger

jüdische Schüler, diese Zahl erhöhte sich 1897 auf 20 Schüler, 15 Mädchen und 5 Jungen. Im April 1898 verließ Hugo Friedmann Schweich und zog weiter nach Wetzlar".

Als der damalige Lehrer von Themar 1900 Militärdienst leisten musste, wurde dessen Stelle von Hugo Friedmann übernommen. Zusätzlich zu Unterkunft und Verpflegung betrug sein Gehalt als Lehrer und Kantor 900 Mark. Die Bezahlung für das rituelle Schlachten lag bei etwa 250 Mark. Themar war in dieser Zeit ein blühender, geschäftiger Ort, der von 1.782 Einwohnern im Jahr 1885 auf 2.756 im Jahr 1905 wuchs. Die jüdische Gemeinde war Teil dieses Wachstums - das Jüdische Geburtsregister verzeichnete zwischen 1885 und 1900 50 Neugeburten, wobei nicht alle Neugeburten das Kindesalter überlebten.

Am 01.01.1902 heiratete er Eva Kahn aus Medernach. Aus der Ehe stammen vier Kinder. Sein erstes Kind, Johanna, wurde Ende 1902 geboren. Bruno, sein jüngstes Kind, wurde am 15. Oktober 1908 in Themar geboren. Die Familie Friedmann wohnte in der Oberstadtstraße/Hildburghäuserstraße 17, in den Wohnräumen der Synagoge und der jüdischen Schule.

1909 nahm Mann Hugo Friedmann eine Lehrerstelle in Bernkastel-Kues an der Mosel an. Durch den Umzug nach Bernkastel-Kues war seine Frau auch wieder näher bei ihrer Familie in Luxemburg. In Bernkastel-Kues wohnten die Friedmanns im Synagogengebäude in der Burgstraße 7.

In Bernkastel-Kues lebten 1909 82 Juden. Hugo Friedmann war neben Bernkastel-Kues auch für die kleineren jüdischen Gemeinden in den Dörfern Lösnich (1909 - 28 Juden), Rachtig (1929 - 34 Juden), Zeltingen (1924 - 25 Juden) zuständig. Im Laufe der Jahre schrumpfte der Anteil der jüdischen Bevölkerung durch Auswanderung oder Fortzug in größere Städte.

Hugo Friedmann veröffentlichte in den 1920er Jahren mehrere Bücher, darunter 1927 eine Festschrift zur Feier des 75-jährigen Bestehens der Synagoge in Bernkastel-Kues. 1929 veröffentlichte er die Verstorbenenlisten der jüdischen Gemeindemitglieder der Mittelmosel von Wintrich bis Enkirch.

Nach Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 schrumpfte die jüdische Gemeinde von nur noch 59 Mitgliedern schnell, so dass er bald nur noch 2 Schüler zu unterrichten hatte, weil immer mehr Juden Bernkastel-Kues verließen.

Bis Anfang 1938 hatten auch 3 seiner eigenen Kinder bereits Deutschland verlassen. Sein Sohn Friedrich wanderte 1933 nach Brüssel aus. 1935 wanderten seine Tochter Johanna mit Familie und Kindern und der jüngste Sohn Bruno nach Südafrika aus. Nur seine Tochter Sitta blieb mit der Familie in Deutschland.

Im Sommer 1938 beschlossen Hugo und Eva, Deutschland in Richtung Luxemburg zu verlassen. Zu diesem Zeitpunkt lebten nur noch 13 Juden in Bernkastel-Kues. Am 04.07.1938 beantragte sein Bruder Karl für die Eheleute die Erlaubnis, mit einer zehntägigen befristeten Erlaubnis nach Luxemburg einzureisen. Die Absicht war natürlich, dass Hugo und Eva nach ihrer Einreise nach Luxemburg nicht nach Deutschland zurückkehren würden. Eine Untersuchung der Gendarmerie am 07.07.1938 bestätigte, dass einige Gelder zur Verfügung standen, um Hugo und Eva zu unterstützen - Hugo hatte ein Bankkonto in Luxemburg, aber es reichte nicht aus, um 1000 Jahre – so bezeichnete Adolf Hitler sein Reich – dort zu leben. Erst als Karl weitere Garantien für seinen Bruder und seine Schwägerin übernahm, durften Eva und Hugo am 10.10.1938 nach Luxemburg reisen. Sie wohnten dort vom 24.10.1938 an in der Nordstraße in Ettelbrück.

1938 versuchten die Eheleute auch ihre Tochter Sitta Lewin, deren Ehemann Ernst Lewin und das Enkelkind Joachim nach Luxemburg zu holen. Aufgrund fehlender finanzieller Garantien, war dies jedoch nicht möglich.

Luxemburg wurde als Teil der Region Trier-Koblenz an Deutschland angeschlossen. Anfänglich erlaubte das Nazi-Regime noch die Auswanderung von Juden in andere Länder, verbot diese aber am 15.10.1941.

Am 16.10.1941 begannen die Nationalsozialisten mit den ersten Deportationen von Luxemburg in den Osten. Hugo Friedmann gehörte zusammen mit seiner Frau, seinem Bruder Karl und seinen Schwagern zu den ersten Juden, die am 16.10.1941 von Luxemburg in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert wurden.

Hugo Friedmann starb am 13.06.1942 im Alter von 66 Jahren im Ghetto Litzmannstadt (Lodz).


Gedenkseite 2110