Geisler Lina geb. Thielemann, 1885, Braunsbedra


Geboren am:

20.10.1885 in Braunsbreda

Gestorben am: 02.01.1988 in Hermeskeil 
Verheiratet: 2 mal
Kinder: 1 Sohn aus 2. Ehe, gestorben 1985
Geschwister: 10
Eltern:

nicht bekannt

Aus ihrem 102-jährigen Leben

Geisler Lina wurde am 20.10.1885 als eines von elf Kindern eines Bauernehepaares in Braunsbedra, Kreis Querfurt geboren.

Zielstrebig und mit eiserner Energie, die bis an ihr Lebensende einer ihrer Charakteristischen Wesenszüge war, begann sie frühzeitig ihr Leben aus eigenem Entschluss zu gestalten. So trat sie zunächst als Erzieherin in großherrschaftliche Dienste, um dann eine Ausbildung als Schneiderin zu absolvieren. Bereits mit achtzehn Jahren verließ sie ihr Heimatdörfchen endgültig und ging nach Berlin, wo sie 1912 das erste Mal heiratete und mit ihrem Mann eine Schneidermeisterei betrieb. Nur kurz wahrte dieses Glück, denn das Jahr 1915 sah sie bereits als Witwe. Als Kriegsfreiwilliger war ihr Mann an der französischen Front gefallen. 


1919 heiratete sie erneut. Zwei Jahre später wurde ihr einziger Sohn geboren. Ihn konnte sie trotz mehrjährigen Fronteinsatzes im Zweiten Weltkrieg und wiederholter schwerer Verwundung 1945 wohlbehalten in ihre Arme schließen. Ihren Mann aber verlor sie, er kehrte aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nicht zurück. Die schweren Jahre der Nachkriegszeit sowie später den Mauerbau in unmittelbarer Nähe ihres Häuschens in Berlin bewältigte sie dank ihres Durchhaltewillens, ihrer Findigkeit und nicht zuletzt auf Grund ihrer Schlagfertigkeit, die sie bis zum Schluss behielt und mit der sie häufig weitaus jüngere Zeitgenossen in Erstaunen versetzte.

1968 zog sie nach Abtei zur Familie ihres Sohnes. Ungeachtet ihrer damals 83 Jahre dachte sie jedoch längst nicht an Pensionierung, sondern bestand auf Mithilfe im Haushalt. Fast zehn Jahre lang sorgte sie für „die sieben Geißlein“ und entschloss sich erst mit dem Umzug nach Hermeskeil, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Dort feierte sie in seltener geistiger Frische ihren 100.  Geburtstag - und zwei darüber hinaus. Einzig eine zunehmende Hör- und Sehschwache deuteten auf ihr hohes Alter hin. Dies war für sie ein gütiges Schicksal, denn so blieb ihr 1986 der allzu frühe Tod ihres geliebten Sohnes verborgen. Ihrer Herkunft gemäß wahrte sie bis zum Schluss die preußischen Tugenden der Pünktlichkeit, Ordnung und Regelmäßigkeit, welche gleichermaßen unseren Respekt und unsere Liebe zu ihr begründeten. Sie war die große Dame des Hauses, der Mittelpunkt der Familie. So wird sie immer in Erinnerung behalten.

Geisler Lina starb am 02.01.1988 in Hermeskeil im hohen Alter von 102 Jahren.


Gedenkseite 1279