Grünhut Max Dr. jur. M.A., 1893, Magdeburg


Geboren am:

07.07.1893 im Magdeburg

Gestorben am: 06.02.1964 in Oxford
Verheiratet: nicht bekannt
Kinder: nicht bekannt
Geschwister: nicht bekannt
Eltern: nicht bekannt

Aus seinem Leben

Max Grünhut wurde am 07.07.1893 in Magdeburg geboren, besuchte in Wiesbaden das humanistische Gymnasium und studierte Rechtswissenschaft von 1912 ab in Heidelberg, München und Kiel. Während des Ersten Weltkrieges leistete er 4 Jahre lang Dienst als freiwilliger Krankenpfleger. Seit 01.07.1920 war er als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Seminar für Strafrecht und Kriminalistik in Hamburg tätig, wo er im gleichen Jahr promoviert worden war. Am 12.05.1922 habilitierte er sich als Schüler von Moritz Liepmann mit einer Arbeit über Anselm v. Feuerbach und das Problem der strafrechtlichen Zurechnung. Schon 1923 wirkte er, zunächst als außerordentlicher, seit 01.11.1925 als ordentlicher öffentlicher Professor in Jena. 1928 übernahm er als Nachfolger von Ernst Landsberg den Lehrstuhl für Strafrecht und Prozessrecht in Bonn. 1933 wurde er ihm der Lehrstuhl von den Nationalsozialisten genommen. 

Erst 1939 fand er, nachdem er Deutschland verlassen hatte, neue Arbeitsmöglichkeiten im All Souls College in Oxford, an dessen Universität er 1947 Lecturer und 1951 Reader in Criminology wurde. Zu einer Rückkehr nach Bonn und zur Übernahme des freien Lehrstuhls von Graf zu Dohna in Bonn konnte er sich nicht entschließen. Er wurde daher 1952 zum Honorarprofessor ernannt, seit 1953 als Emeritus geführt und hat in mehreren Semestern in Bonn Vorlesungen und Seminare gehalten. Die wissenschaftliche Grundhaltung von Dr. jur. Max Grünhut M.A. wurde durch die Ideen von Franz v. Liszt bestimmt; er gehört zu den hervorragenden Vertretern der zweiten Generation seiner Schüler. Seine Interessen richteten sich einmal auf dogmatische, insbesondere methodische Fragen, wobei die geschichtlichen Grundlagen nicht vergessen wurden; sie treten besonders in seinen Beiträgen für die Reichsgerichtsfestschrift 1929 „Der strafrechtliche Schutz wirtschaftlicher Interessen" und zur Festschrift für R. v. Frank 1930 „Methodische Grundlagen der heutigen Strafrechtswissenschaft" hervor. Die gleiche Bedeutung hatten für ihn aber auch kriminalpolitische Fragen. Besonders die Strafvollzugsreform war ihm ein Anliegen, deren praktischer Ausgestaltung er sich in seiner Jenaer und Bonner Zeit mit Gleichgesinnten erfolgreich widmete. Hier knüpfte seine Oxforder wissenschaftliche Arbeit an, die in seinem Buch „Penal Reform" 1948 einen Höhepunkt fand. Seine kriminologische Arbeit war darauf abgestellt, die Tatsachen über die Verbrechen und ihre Sanktionen festzustellen, die für eine rationelle Bekämpfung der Kriminalität und Wiedereingliederung der Verbrecher in die menschliche Gesellschaft erforderlich sind. 

Unberührt von dem ihm angetanen Unrecht hat sich Dr. jur. Max Grünhut M.A. in seiner Oxforder Zeit darum bemüht, auf seinem Arbeitsgebiet zwischen Deutschland und England zu vermitteln. Daraus hat die deutsche Rechtswissenschaft viel Gewinn gezogen. Deutsche Forscher und Studenten konnten immer bei ihren Fragen über englisches Recht mit seiner tatkräftigen Unterstützung rechnen. Sein Englisches Strafrecht (1959) in dem Sammelwerk „Das ausländische Strafrecht der Gegenwart" ist die beste Darstellung dieses Rechtes in deutscher Sprache. Er besuchte regelmäßig deutsche Tagungen und hielt Vorträge. Sein Rat in Reformfragen war im Bundesjustizministerium gesucht. Nicht nur formal, sondern auch tatsächlich war er wieder ein Mitglied der Bonner Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät geworden. Sie wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 

Der emeritierte ordentliche Professor für Strafrecht und Prozessrecht Dr. jur. Max Grünhut M.A. starb am 06.02.1964 im Alter von 70 Jahren in Oxford. 


Gedenkseite 1597