Hattingen, Deutschland


Hattingen liegt im Süden des Ruhrgebiets in Nordrhein-Westfalen. Nach Hattingen wurden seit 1939 folgende Gemeinden eingegliedert:

  • 1939 Baak
  • 1970 Blankenstein, Bredenscheid-Stüter, Dumberg, Niederelfringhausen, Niederstüter, Niederwenigern, Oberelfringhausen, Oberstüter, Winz

Auf den folgenden Gedenkseiten finden Sie Informationen zu Personen, die aus diesen Orten stammten.

Chronik


Archäologische Funde belegen frühe Besiedlungen des Hattinger Raumes um 2000 vor Christus. Die Ortsbezeichnung Hattingen geht auf die germanische Siedlung „Hatneghen“ zwischen 50 bis 200 nach Christus zurück.

990 wird Hattingen in einer Urkunde des Stifts Essen erstmals mit seiner Kapelle urkundlich erwähnt.

1005 schenkt Heinrich II. den Reichshof Hattingen mit Kirche der neugegründeten Benediktinerabtei Deutz bei Köln. Auch die Kirche in Niederwenigern wird 1147 als Deutzer Besitz genannt.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts errichtet der Kölner Erzbischof Adolf mit Hilfe seines Bruders, Arnold von Altena, auf dem Isenberg eine mächtige Burg. Der Sohn Arnolds von Altena, Friedrich von Isenberg, tötet 1225 seinen Onkel, den Erzbischof Engelbert von Berg und wird in Köln hingerichtet. Die Isenburg wird zerstört und Hattinger Landesherren errichten eine neue Burganlage und müssen sich in langen, blutigen Fehden gegenüber dem Erzbistum Köln behaupten.

1350 erhält Hattingen durch Graf Engelbert die Freiheitsrechte, es fand zu der Zeit bereits ein Markt statt und es gab eine Art der Selbstverwaltung mit Bürgermeister und Ratsherren.

1396 erlaubt Graf Dietrich von der Mark den Hattingern die Errichtung einer Stadtbefestigung aus Flechtwerk, was heute der Erhebung Hattingens zu Stadt gleichgesetzt wird. Weitere Privilegien wie 1406 das Recht Wein zu zapfen, Wegegeld, Durchführung von Wochen- und Jahrmärkten ergänzen in den Folgejahren das Stadtrecht.

Die um Hattingen verstreuten Bauernschaften schließen sich zu der Zeit zusammen und daraus entstehen die späteren Gemeinden.

1412 werden die ersten Gilden gegründet und damit erlebt Hattingen in der Folge vor allem durch den Tuchhandel eine wirtschaftliche Blüte.

Um 1580 setzt sich in Hattingen die Reformation durch, die Abhängigkeit vom Kloster Deutz nimmt ab und es bleiben nur wenige katholische Gemeinden in Blankenstein und Niederwenigern bestehen.

Im 17. bis 18. Jahrhundert geht der Wohlstand Hattingens durch Kriege und Pest unter. So kann sich die Region nur langsam von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges 1618 – 1648 erholen. Neben dem früheren Tuchhandel gewinnt der Bergbau zunehmend an Bedeutung. 1780 wird die Ruhr schiffbar gemacht und verbindet Hattingen mit zu der Zeit bereits bedeutenden Wirtschaftszentren des Ruhrgebietes. Dadurch wird ein wichtiger Grundstein für die weitere industrielle Entwicklung gelegt.

1794 wird Hattingen von französischen Revolutionstruppen besetzt. Aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses fällt Hattingen nach der französischen Fremdherrschaft im Jahr 1815 an Preußen und gehört zur neuen preußischen Provinz Westfalen.

1838 wird die Sparkasse Hattingen gegründet.

1854 legt Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode durch die Entdeckung des Spateisenflözes und Errichtung der Henrichshütte den Grundstein des Bergbaus. Das Stahlwerk Henrichshütte bestimmt mehr als 120 Jahre die Wirtschaft Hattingens.

1868 wird die Freiwillige Feuerwehr Hattingens mit 160 aktiven Mitgliedern gegründet. Vorausgegangen war der Gründung ein Brand im August 1868 in der Scheune der Brennerei Weygand, bei dem umliegende Häuser und Werkstätten niederbrannten.

Mit dem Bahnanschluss 1869 an die Ruhrtal-Bahn und der Bahnhofseröffnung 1870, entwickelt sich Hattingen schnell über die alten Stadtgrenzen hinaus. Auch der Bau des neuen Rathauses 1910 trägt zur Ausdehnung der Stadt bei. Seit 1907 war Hattingen bereits an die Stromversorgung angeschlossen und 1912 geht das Steinkohlekraftwerk „Gemeinschaftswerk Hattingen“ in Betrieb.

Nach dem Ersten Weltkrieg bricht in Hattingen die Wirtschaft stark ein. Von 1923 bis 1925 ist die Stadt von französischen und belgischen Truppen belagert. Die schweren wirtschaftlichen Krisen der Nachkriegsjahre mit immenser Inflation und hoher Arbeitslosigkeit spalten die Bevölkerung schon bald in zwei politische Lager, KPD und NSDAP. Während die Arbeiter der Henrichtshütte vor allem Anhänger der KPD und SPD sind, unterstützt der Werksleiter schon früh die NSDAP finanziell und durch seinen lokalen Einfluss. 1932 wird ein KDP Mitglied von der SA aus einem fahrenden Auto heraus erschossen.

Nach Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wird Hitler im März 1938 zum Ehrenbürger ernannt und bald schon werden auch in Hattingen politische Gegner und Juden skrupellos drangsaliert, inhaftiert und ermordet. In der Pogromnacht vom 10. auf den 11. November 1938 wird die Synagoge niedergebrannt, jüdische Geschäfte und Wohnungen geplündert.

In der Henrichshütte, die zu einem Rüstungsbetrieb umfunktioniert wurde, werden bis Kriegsende überwiegend Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter eingesetzt. Mehr als 10.000 Kriegsgefangene werden unter extrem grausamen Bedingungen in fast 100 Lagern untergebracht.

Ab 1940 wird Hattingen und vor allem die Henrichshütte mehrfach von den alliierten Luftwaffen angegriffen. 1942 werden die noch in Hattingen verbliebenen jüdischen Bewohner in Vernichtungslager überwiegend nach Theresienstadt und Zamosc deportiert und ermordet.

In den letzten Kriegsmonaten des Zweiten Weltkrieges wird Hattingen regelmäßig von Bomben getroffen, viele Menschen getötet und die Stadt stark zerstört. Am 16.04.1945 wird Hattingen von US-Truppen eingenommen und mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei wieder die Henrichshütte, die eigentlich abgebaut werden sollte. Die Henrichshütte war unter anderem ein Grundstein für den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit, wo mehr als 10.000 Menschen Beschäftigung fanden.

Ab 1967 beginnt in Hattingen die liebevolle Sanierung der historischen Gebäude der Altstadt.

Durch den langsamen Abbau der Henrichshütte zwischen 1976 und 1986 verlieren mehr als 8.000 Menschen ihren Arbeitsplatz, bis zur kompletten Stilllegung sogar mehr als 24.000 Menschen. Der Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze schweißt die Bevölkerung zusammen. Dennoch wird am 18.12.1987 der Betrieb der Henrichshütte eingestellt.

Auf dem ehemaligen Hüttengelände wird ein neuer Landschafts- und Gewerbepark. Moderne Betriebe siedeln sich im neuen Gewerbepark an und der Stadt gelingt dadurch ein Strukturwandel. 2009 wird das Reschop-Carré, ein großes Einkaufszentrum in Hattingen-Mitte, eröffnet.