Hermes Andreas, 1878, Köln


Geboren am:

16.07.1878 in Köln

Gestorben am: 04.01.1964 in Krälingen 
Verheiratet mit: Anna Hermes geb. Schaller 
Kinder: 3 Söhne, darunter Peter Hermes und 2 Töchter 
Geschwister: nicht bekannt
Eltern: Andreas Hermes und Theresia Hermes geb. Schmitz 

Der Einmarsch der Roten Armee 1945 in Berlin verhinderte die Vollstreckung seines Todesurteils

Andreas Hermes wurde am 16.07.1878 als Sohn des Packmeisters Andreas Hermes und dessen Ehefrau Theresia Hermes geb. Schmitz in Köln geboren. Er stammte aus einer einfachen rheinischen Familie, die nur wenige hundert Schritte vom Kölner Dom entfernt lebte.

Er studierte Landwirtschaft und Philosophie an den Universitäten Bonn, Jena und Berlin. 1898 trat er in Bonn der katholischen Studentenbewegung K. St. V. Rheno-Borussia bei. 1906 promovierte er in Jena über die Optimierung der Fruchtfolge.

Von 1911 bis Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 war er Direktor am Internationalen Agarinstitut in Rom, nachdem er zuvor in verschiedenen wissenschaftlichen und beratenden Funktionen im Bereich der Landwirtschaft tätig war.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er 1919 Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium Berlin, 1920 Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, danach Leiter des Reichsfinanzministeriums. 1924 bis 1928 war er Mitglied im Preußischen Landtag und von 1928 bis 1933 Mitglied des Reichstages. Er war Delegierter bei zahlreichen internationalen Konferenzen und Verhandlungen, Redner auf deutschen Katholikentagen und hatte auch eine führende Stellung in der deutschen Landwirtschaft inne. 

Seit 1920 war er mit Anna Schaller in glücklicher Ehe verbunden. Aus der Ehe gingen 3 Söhne, darunter Peter Hermes und 2 Töchter hervor.

Von den Nationalsozialisten, deren Regime er sich von Anfang an bis zum Ende unerschrocken und kompromisslos widersetzte, diffamiert, verhaftet, zu zeitweiliger Emigration gezwungen, nach dem 20.07.1944 erneut verhaftet und zum Tode verurteilt, ließ ihn die gnädige Fügung Gottes den Krieg überleben, in dem zwei seiner Söhne gefallen waren: nach Machtergreifung durch die Nationalsozialisten Anfang 1933 gab Andreas Hermes am 17.03.1933 sein Reichstagsmandat zurück, nachdem er zuvor schon seine anderen öffentlichen Ämter niedergelegt hatte. Im März 1933 wurde er erstmals von den Nationalsozialisten verhaftet und zu vier Monaten Haftstrafe verurteilt. 1936 emigrierte er ohne seine Familie nach Kolumbien, kehrte jedoch 1939 zurück, um zusammen mit seiner Familie ins Exil zu gehen, wurde jedoch an der Ausreise aus Deutschland gehindert. Andreas Hermes gehörte zum NS-Widerstand und wurde nach dem gescheiterten Attentat vom 20.07.1944 auf Hitler verhaftet und zum Tode verurteilt. Nachdem seine Ehefrau mehrmals einen Aufschub bei der Vollstreckung des Todesurteils erreichen konnte, wurde Andreas Hermes letztendlich dadurch gerettet, dass russische Truppen Berlin eroberten.

Unmittelbar nach der Kapitulation Deutschlands organisierte und leitete er die Ernährung der Berliner Bevölkerung. Er wurde zweiter Stellvertreter des Oberbürgermeisters von Groß-Berlin und Stadtrat für Ernährung. Er gründete mit Freunden, die in der Mehrzahl gleich ihm aus den Gefängnissen des zugrunde gegangenen NS-Regimes kamen, die Christlich Demokratische Union, deren Vorsitz ihm die russischen Besatzer im Dezember 1945 wegen seiner Kritik an der entschädigungslosen Bodenreform nahmen, weil er weiter unerschrocken für Freiheit und Gerechtigkeit eintrat und, wie er sagte, nicht gegen eine Diktatur gekämpft habe, um sich der nächsten zu unterwerfen.

Andreas Hermes zog mit seiner Familie nach Bad Godesberg und trat der West-CDU bei. Er widmete sich vor allem der Landwirtschaft als Gründer und Vorsitzender des Deutschen Bauernverbandes, des Deutschen Raiffeisenverbandes, des Zentralausschusses der Deutschen Landwirtschaft, der Bauernsiedlung, der landwirtschaftlichen Zentralkreditinstitute und Versicherungen.

Seine Bemühungen um die Aufnahme und den Ausbau der internationalen Beziehungen der deutschen Landwirtschaft fanden ihre Anerkennung in seiner Wahl zum Präsidenten und Ehrenpräsidenten des Verbandes der Europäischen Landwirtschaft.

Stets hat er bei aller Kraft, mit der er sich für die Interessen der bäuerlichen Bevölkerung einsetzte, das Gemeinwohl als höchste Richtschnur seines Handels genommen. 

Während seines langen Lebens ist Andreas Hermes sich treu geblieben: redlich, einfach, gütig, von großer natürlicher Würde, abhold jeder extremen Haltung, immer das Verbindende suchend und von tiefer Frömmigkeit beseelt. Andreas Hermes starb am 04.01.1964 im Alter von 85 Jahren in Krälingen in der Eifel.  Er wurde auf dem Zentralfriedhof Bad Godesberg beigesetzt.


Gedenkseite 1599