Lippstadt, Deutschland


Lippstadt ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen.

1975 wurden die Gemeinden Benninghausen, Bökenförde, Cappel, Dedinghausen, Eickelborn, Esbeck, Garfeln, Hellinghausen, Herringhausen, Hörste, Lipperode, Lohe, Overhagen, Rebbeke, Rixbeck sowie Teile der Gemeinden Liesborn und Ermsinghausen nach Lippstadt eingemeindet.

Auf den folgenden Gedenkseiten finden Sie Informationen zu Personen, die aus diesen Orten stammten.

 

Chronik

Von der Gründung der Stadt bis 1899


Um 1185 wurde Lippstadt vom Edelherrn Bernhard II. zur Lippe unter dem Namen Lippe als erste Planstadt Westfalens nach den Vorbildern Braunschweig und Heidelberg gegründet.

1194 besaß Lippstadt bereits eine Befestigung in Form von Wällen, Gräben und Palisaden aus Holz und Erde. Zudem gab es 3 Kirchen, Marktkirche St. Marien, St. Nicolai und die Stiftskirche St. Marien.

Um 1221 erhielt Lippstadt die Stadtrechte und seit 1231 führte der Lippstädter Rat ein eigenes Stadtsiegel.

1231 gab es bereits zwei Münzmeister zur Herstellung von Münzen in der Stadt. Ab 1250 gab es dann auch eigene Münzen mit der Lipperose als Prägung.

1253 gehörte Lippstadt zu den Gründungsmitgliedern des zweiten westfälischen Städtebundes. Im 12. und 13. Jahrhundert war Lippstadt zudem auch Hansestadt, wobei Lippstadt 1669 nicht am letzten Hansetag teilnahm.

1494 wurde Lippstadt die Handelsmatrikel nachgetragen.

Von etwa 1260 bis 1292 wurde die Stadtmauer erbaut und ersetzte die Befestigungen aus dem Jahr 1194.

1540 wurde Lippstadt zur Prinzipalstadt.

Von 1565 bis 1677 gab es wiederholt Hexenprozesse in Lippstadt.

Im 16. Jahrhundert fanden nachweislich vier Jahrmärkte im Jahr statt, im Jahr 1691 bereits sechs und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren es acht Märkte.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Lippstadt im Winter 1621/1622 von dem Feldherrn Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel und seinen Truppen besetzt und als Quartier genutzt. Nach seinem Abzug gelang es im Oktober 1623 den Truppen Kaiser Ferdinands II. Lippstadt zu erobern. Danach bezogen die Truppen unter Johann Graf von Rietberg ihr Quartier bis 1633 in Lippstadt. Von 1633 bis Kriegsende 1648 war die Stadt von Truppen Wilhelm V. besetzt. Von Zerstörungen blieb Lippstadt verschont.

1656 gab es einen Großbrand in Lippstadt der zahlreiche Häuser zerstörte.

1673 starben etwa 2000 Menschen an der Pest.

1676 brannten erneut zahlreiche Häuser bei einem Großbrand nieder.

1679 wurde Lippstadt von den Franzosen besetzt.

Bedingt durch die vielen unterschiedlichen Besetzungen, die beiden Großbrände und die Pest verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation und Ende des 17. Jahrhunderts konnte Lippstadt die Abgaben an die Landesherren nicht mehr aufbringen.

1757 zogen die französischen Truppen im Siebenjährigen Krieg gegen das mit Preußen verbündete Hannover. Nach Abzug der Franzosen 1758 kamen preußische Husaren in die Stadt. 1759 wurde Lippstadt von Franzosen eingekesselt. 1807 kam Lippstadt nach dem Frieden von Tilsit unter französisch-lippische Herrschaft. 1815 fiel Lippstadt aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses an das Kondominium Preußen-Lippe.

1819 wurde die Schifffahrt bis nach Lippstadt ausgedehnt und eine Hafenanlage sowie 1830 auch ein Schifffahrtskanal angelegt.

1848 erschien die erste Lippstädter Tageszeitung „Der Patriot“. 1850 verzichtete Lippe in einem Vertrag mit Preußen auf die Herrschaft in Lippstadt, die Stadt wurde komplett preußisch.

1850 wurde Lippstadt an das Eisenbahnnetz angebunden.

Um 1860 nahm die erste größere eisenverarbeitende Fabrik, welche später in die „Westfälische Union“ überging, den Betrieb auf. 40 Jahre später waren arbeiteten bereits 800 Menschen in dieser Fabrik und deren Produkte wurden sogar bis Japan exportiert. In Fabriknähe entstand für die Arbeiter ein Wohnviertel mit Kirche (Josefskirche).

1870 wurde die Schifffahrt bis nach Lippstadt eingestellt.

 

1900 bis heute


1902 wurde das „Königlich Preußische Artilleriewerkstatt“ gebaut und nahm 1905 mit 400 Arbeitern die Produktion auf.

1912 entwickelte sich aus einer mittelgroßen Laternenfabrik Sally Windmüllers die Westfälische Metallindustrie.

Einige der im Zusammenhang mit der Industrialisierung gegründeten Unternehmen entwickelten sich zu Großbetrieben wie die Brauereien Weißenburg, Nies und Tannenberg.

Versorgungsengpässe, Wirtschaftskrise, Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und Inflation nach dem Ersten Weltkrieg führten in Lippstadt wie überall in Deutschland zu sozialen Problemen. Im Winter 1923/24 wurde die erste größere Notküche für die Bevölkerung eingerichtet.

In der Pogromnacht vom 09.11. auf den 10.11.1938 wurde die jüdische Synagoge zerstört und jüdische Geschäfte geplündert. Alle Juden, die weiterhin in Lippstadt blieben wurden 1942 von den Nazis deportiert.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Lippstadt ein Ort medizinischer Verbrechen. Im evangelischen Krankenhaus erfolgten zahlreiche Zwangssterilisationen und die Zustände dort gipfelten in körperlichen Misshandlungen sowie in umfangreichen Euthanasieprogrammen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden in Lippstadt Zwangsarbeiter in der metallverarbeitenden Industrie für die Produktion von Waffen eingesetzt.

Ende März wurden über 700 jüdische Zwangsarbeiterinnen von Lippstadt auf einen Todesmarsch ins KZ Bergen-Belsen geschickt, konnten jedoch von alliierten Truppen gerettet werden.

Am 01.04.1945 wurde Lippstadt von US-Truppen eingenommen. Die Stadt wurde während des Krieges nicht zerstört.

1948 wurde Jakob Koenen (SPD) der erste Nachkriegsbürgermeister der Stadt und blieb es bis zu seinem Tod 1974.

1965 überflutet Hochwasser große Teile der Stadt und hinterlässt große Schäden.

1987 fand das Europaschützenfest in Lippstadt statt.