Lubomierz (Liebenthal), Polen


Lubomierz (dt. Liebenthal) ist eine Kleinstadt und Landgemeinde der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Von 1945 bis 1947 wurde Lubomierz zunächst „Miłosna“ genannt und erst seit 1947 Lubomierz. Zu der Lubomierz gehören die Dörfer:

  • Chmieleń (dt. Langwasser)
  • Golejów (dt. Klein Röhrsdorf)
  • Janice (dt. Johnsdorf)
  • Maciejowiec (dt. Matzdorf)
  • Milęcice (dt. Geppersdorf)
  • Oleszna Podgórska (dt. Krummöls)
  • Pasiecznik (dt. Spiller)
  • Pławna Górna (dt. Schmottseiffen)
  • Pokrzywnik (dt. Riemendorf)
  • Popielówek (dt. Hennersdorf)
  • Radoniów (dt. Ottendorf)
  • Wojciechów (dt. Ullersdorf-Liebenthal)

Auf den folgenden Gedenkseiten finden Sie Informationen zu Personen, die aus diesen Orten stammten.

Chronik


Lubomierz (deutsch Liebenthal) ist eine architektonische Perle Niederschlesiens. Nicht durch den Zweiten Weltkrieg zerstört, hat es die für mittelalterliche Jahrmarktssiedlungen charakteristische Form des Stadtzentrums bewahrt. 

Liebenthal liegt zwischen Löwenberg (Lwówek Śląski) und Greiffenberg (Gryfów Śląski) am Liebenthaler Bach, der in den Fluss Oldza mündet, einen Nebenfluss des Flusses Queis (Kwisa). Die beiden Flüsse zogen hier schon früh viele Goldwäscher an. Bis heute sind Spuren von Deichen erhalten, in denen Gold gewaschen wurde. Im 12. Jahrhundert befand sich in Liebenthal höchstwahrscheinlich eine Ansiedlung, die immer mehr Goldwäscher anzog. 


Im 13. Jahrhundert kam eine Welle von Siedlern aus Deutschland in Liebenthal an.

Einer von ihnen, der Ritter von Liebenthal, bekam um 1251 vom Fürsten Heinrich dem Bärtigen für seine Verdienste umliegende Dörfer geschenkt.

Jutta von Liebenthal, die Ehefrau von Fürst Heinrich erhielt 1278 nach dem Tod ihres Mannes von Heinrich I. von Jauer eine Genehmigung für die Gründung eines Benediktinerklosters, dessen Äbtissin sie wurde.

Am 05.07.1283 wurde eine damals bereits in Krummöls (Oleszna Podgórska) vorhandene Kirche durch einen Vertrag dem Kloster Liebenthal einverleibt. In dieser Zeit wurde auch die Pfarrkirche St. Maternus in der Stadt Liebenthal errichtet.


Das vom Kloster abhängige Dorf Liebenthal wurde danach ausgebaut und erhielt 1291 von Fürst Bolek I. Świdnicki (Fürst Bolko I. von Schweidnitz) die Stadtrechte. Fürst Bolek I. Świdnicki erteilte der Stadt Privilegien, ordnete die Errichtung der Stadtbefestigung an und erteilte das Recht, am 15. August einen jährlichen Markt zu veranstalten, was der Stadt und dem Kloster zu beträchtlichen Einnahmen verhalf.

Seit 1313 gehaltene allwöchentliche Messen wurden eine Einkommensquelle für die Einwohner und trugen zur schnellen Entwicklung von Liebenthal bei. Die Stadt unterlag dem Kloster und die Ordensschwestern bekamen 1307 von den Söhnen von Jutta von Liebenthal unter anderem die Dörfer Hennersdorf (Popielówek), Krummöls (Oleszna Podgórska), Geppersdorf (Milęcice) geschenkt. Schon bald besaß das Kloster neben der Stadt Liebenthal 19 Dörfer.

Die Entwicklung der Stadt Liebenthal wurde durch häufige Brände, Seuchen und Überschwemmungen eingeschränkt. Das Kloster, wo die Benediktinerschwestern von den Einkommen aus der Landwirtschaft aus ihren Dörfern lebten, wurde oft geplündert und stand mehrmals in Flammen. Dennoch wuchs das Kloster durch neue Schwestern aus reichen Familien wie den Familien Czirn, Hoberg, Promnitz, Talkenberg und Seidliz weiter.

Die Stadt und das Kloster wurden 1426 von den Hussiten zerstört und geplündert. Die ständige Kriegsgefahr führte zur Gründung der Kurkowe-Bruderschaft in Liebenthal.

Nach dem Brand des Rathauses im Jahr 1449 wurde ein neues gotisches Rathaus errichtet. Auf seinem Platz steht heute ein neues Rathaus aus dem Jahre 1803 mit einem erhaltenen Pranger aus dem Jahr 1533. 

Im Jahre 1481 gründete Bürgermeister Peter Baumert einen Schützenverein und organisierte populäre Wettbewerbe um den Titel des Schützenkönigs.

Im Jahre 1527 erhielt die Stadt von König Ferdinand I. die Bestätigung der bestehenden Privilegien. In der Mitte des 16. Jahrhunderts blühte Liebenthal auf. Im 16. Jahrhundert schickte Bürgermeister Philip Tanner einen ersten Transport mit Leinengarn nach Hamburg. Die Produktion und Handel des Leinengarnes stieg im Laufe der Zeit und Liebenthal wurde immer reicher. Liebenthal organisierte die größten Garnmessen in diesem Teil Schlesiens, neben Lwówek und Jelenia Góra. Der Haupthandelsplatz war der Marktplatz in der Stadt.


Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Rathaus (erbaut 1803) im Jahre 2012. Quelle: Heidi Stenmans
 
Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Der Marktplatz Lubomierz im Jahr 2012 Quelle: Heidi Stenmans

1544 wurde eine Schule eröffnet. Die Stadt erhielt damals viele Rechte, unter anderem: Bierhandel- und Schlosserhandwerkrecht. Es gab sogar vier Gaststätten. Es fanden hier berühmte Taubenmessen statt. Aus Liebenthal stammen die bedeutenden Drucker Hieronim Wietor (Urheber der ersten polnischen Letter), Marek Scharfenberg und seine Söhne Mikołaj und Stanisław. Liebenthal ging es gut, bis sich die Baumwollmanufakturen und die Bekleidungsindustrie in größeren Städten entwickelten. Die Stadt verfiel in eine Stagnation.

Im 17. Jahrhundert starben fast 50 Prozent der Einwohner an der Seuche. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Kloster zwischen 1618 bis 1648 vierundzwanzigmal geplündert. Mehrmals stationierten in Liebenthal Militärtruppen, die gemordet und vergewaltigt haben.

Nach einem Brand 1723 wurde die Kirche wiederaufgebaut. Die Arbeiten leiteten Meister Johann Jakob Scheerhofer und sein Sohn Franz Michael. Die Fassade der Kirche ist angelehnt an die römische Kirche Il Gesu und bietet Platz für 7000 Gläubige. Wunderschöne Fresken des Meisters Adam Schöpf zieren das Gewölbe. Die Seitenaltäre sind das Werk des Meisters Johannes Josef Friedrich.


Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Liebenthal an Preußen. Ein Brand im Jahre 1802 zerstörte mehr als die Hälfte der Stadt. 1805 fing man an, eine Kapelle aus dem 16. Jahrhundert wiederaufzubauen. Im Jahre 1810 zog Preußen Kirchengüter ein, die dann zum Verkauf gestellt wurden. Im Zuge der Säkularisation wurde das Benediktinerinnenkloster 1810 aufgelöst, blieb aber als Zentralkloster der geschlossenen schlesischen Frauenklöster bestehen und die Schwestern blieben im Kloster. Ab 1845 wurde das Kloster von Ursulinen geführt.

1816 wurde Liebenthal dem Landkreis Löwenberg zugeordnet. 1829 erwarb die Stadtverwaltung für 50.000 Reichstaler das Dominium Liebenthal.

Mit der preußischen Herrschaft nahm im katholischen Liebenthal auch der Protestantismus zu. Für die 150 Protestanten stiftete Friedrich Wilhelm IV. 1852 daher die evangelische Kirche.


Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Evangelische Kirche gestiftet von Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1852. Quelle: Heidi Stenmans

Bereits 1843 hatten die Ursulinen eine Mädchenschule mit Pensionat gegründet, die Hauptfächer waren Nähunterricht und Handarbeit.

Im Jahre 1857 kauften die Ursulinen von der Stadt den ganzen Gebäudekomplex des Klosters und richteten hier 1863 eine katholische Lehrerbildungsanstalt ein. Zudem gab es eine Erziehungsanstalt für Mädchen und Jungen.

1885 wurde in Liebenthal eine Eisenbahn gebaut. Der Anschluss an die Eisenbahnlinie Greiffenberg–Löwenberg änderte jedoch wenig an der geringen wirtschaftlichen Bedeutung Liebenthals.

Seit 1913 gibt es in Liebenthal elektrischen Strom.

1926 entstand an der Stelle der Erziehungsanstalt für Jungen und Mädchen eine neue Oberschule.


Im Jahr 1945 gehörte die Stadt Liebenthal zum Landkreis Löwenberg im Regierungsbezirk Liegnitz der preußischen Provinz Niederschlesien des Deutschen Reichs. Von direkten Einwirkungen des Zweiten Weltkriegs blieb Liebenthal verschont und wurde erst nach der deutschen Kapitulation am 08.05.1945 von der Roten Armee besetzt. Die Stadt wurde im Sommer 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt und erhielt in Anlehnung an den deutschen Ortsnamen die polnische Bezeichnung Miłosna, was so viel wie „die Liebliche“ bedeutet. [1]

Erst 1947 kam der bis heute beibehaltene Ortsname Lubomierz in Gebrauch. Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung durch die örtliche polnische Verwaltungsbehörde aus Liebenthal konnte die frühere Einwohnerzahl nur langsam durch Ansiedlung polnischer Neubürger wieder erreicht werden. Diese kamen zum Teil aus den im Rahmen der „Westverschiebung Polens“ an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie. In den 1970er Jahren verfiel die Stadt zunehmend, so dass die Laubenhäuser der Nordostseite des Rings vor der Pfarrkirche abgerissen wurden.

Das malerische Städtchen Lubomierz und die Gemeinde veranlassten hier acht Filme zu drehen, unter anderem "Die Dreharbeiten zur Baumwollfabrik Sami Swoi" und das ganze Triptychon von S. Chęciński. 

Seit 1997 findet jedes Jahr Mitte August das Nationale Komödienfilmfestival statt, das viele hervorragende Schauspieler, Regisseure und Tausende von Touristen anzieht. 


Langwasser (polnisch Chmieleń)

Langwasser liegt zwischen Jelenia Góra, Gryfów Śląski und Zgorzelec. Eine Besiedlung existierte hier schon in prähistorischen Zeiten. Das Dorf entstand wahrscheinlich Ende des 13. Jahrhunderts. Erste Erwähnung des Dorfes ist aus dem Jahre 1307. Langwasser gehörte dem Kloster Liebenthal. Das Dorf entwickelte sich langsamer als andere Ortschaften. Die St. Nikolauskirche wurde in den Jahren 1705 bis 1707 in Form einer Basilika umgebaut. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebten fast alle Einwohner von der Weberei. In Langwasser gab es 312 Häuser, 3 katholische Schulen und 2 Wassermühlen. Das Einkommen aus einer der drei Mühlen war ausschließlich für arme Menschen der Stadt Liebenthal bestimmt.


Klein Röhrsdorf (polnisch Golejów)

Klein Röhrsdorf liegt im Bachtal zwischen Wojciechów und Pławna. 1959 entdeckte man im unteren Teil des Dorfes eine frühmittelalterliche Ansiedlung. Klein Röhrsdorf existierte schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Davon zeugt eine Urkunde aus dem Jahre 1285, die Fürst Bolek I. Świdnicki (Fürst Bolko I. von Schweidnitz) in Wleń ausstellen ließ. In der Urkunde ist die Rede von einer Ortschaft Rudigersdorf. Der Name kommt wahrscheinlich von einem Gründer Rudiger. Das Dorf wurde Eigentum des Benediktinerklosters. Einwohner waren hauptsächlich Katholiken. Davon zeugen erhaltene am Weg stehende Kreuze, Kapellen und Figuren. In dem Dorf befanden sich damals eine Kirche, ein Pfarrhaus, eine Schule, zwei Wassermühlen, eine Schmiede, ein Kalkbergwerk, eine kleine Brauerei und vier Gaststätten. In der Mitte des Dorfes steht eine große Felix und Adauctuskirche an der Stelle einer früheren Kirche aus dem Jahre 1345. Die heutige Kirche wurde im Barockstil 1784 gebaut. In dem Dorf sind noch ein Kreuz aus dem Jahr 1651 und eine Bußkapelle aus dem Jahr 1672 erhalten. [1]


Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Innenansicht Kirche Klein Röhrsdorf. Quelle: Heidi Stenmans

Johnsdorf (polnisch Janice)

Von der Existenz einer mittelalterlichen Ansiedlung in Janice zeugen archäologische Forschungen und ein Münzenfund. Höchstwahrscheinlich gehörte das Dorf im 14. Jahrhundert der Familie Spiller, die in dem Nachbarsort Pasiecznik wohnten. 1348 wurde das Dorf erstmals urkundlich als „Jonsdorf“ erwähnt. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde in Johnsdorf eine katholische Kirche errichtet, in der seit 1549 auch Protestanten an Gottesdiensten teilnahmen. Die 1906 renovierte Kirche wurde Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört und es blieben nur ein Turm, ein Mauerrest mit Portal, ein evangelischer Friedhof aus dem 19. Jahrhundert mit einer ruinierten Grabkapelle erhalten. Außerdem erhalten ist noch ein Gutshaus aus dem Jahre 1789. Seit 1990 hat die Stiftung Franziskanerdorf ihren Sitz in Johnsdorf. Diese Stiftung lehrt unter Kindern und Jugendlichen Ideale „des Armen aus Assisi“ – des Heiligen Franz. 


Matzdorf (polnisch Maciejowiec)

Matzdorf liegt auf der Strecke zwischen Jelenia Góra und Lwówek Śląski im Tal des Matzdorfer Baches, am Fuße des Schlossberges, der vor tausenden Jahren vermutlich eine Siedlung des Volksstammes Bobrzanie war. Urkundlich wurde das Dorf erstmals 1386 erwähnt. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde von der Familie Spiller ein Gutshaus gebaut. Später in Jahren 1627 bis 1632 baute die Familie an seiner Stelle ein Renaissancegutshaus. Während des Dreißigjährigen Krieges brannte das Gutshaus ab und wurde 1652 von Joachim von Spiller wiederaufgebaut. Über dem Eingang zum Hof kann man Wappen von Familien Kahl und Gottfried, Besitzern dieses Gutshauses sehen. In der Nähe steht eine Mariä Himmelfahrt Barockkapelle aus dem Jahre 1692. Ganz nah baute ein nächster Besitzer Johan Dolan in den Jahren 1834 bis 1838 einen neoklassizistischen Palast und um den Palast herum gründete er einen englischen Landschaftsgarten nach einem Projekt von Jakob Heinrich Rehdera aus der sächsischen Stadt Bad Muskau. [1]


Geppersdorf (polnisch Milęcice)

Geppersdorf liegt direkt unter Lubomierz. Spuren von der Goldwäscherei fand man nördlich des Dorfes. Im 19. Jahrhundert wurden Reste einer mittelalterlichen Burg entdeckt. Die Burg hat sich jedoch nicht in eine Stadt verwandelt und Milęcice ist ein kleines Dorf ohne Kirche geblieben. Die Einwohner haben die Kirche in Lubomierz aufgesucht. Jedoch gab es eine katholische Schule und einige Wassermühlen. Heute sind nur noch Reste erhalten geblieben. 1885 wurde hier die Eisenbahnlinie gebaut. Die Bahn wurde 1993 stillgelegt, was die Entwicklung von Milęcice gehindert hat, aber auch andererseits dazu geführt hat, dass der natürliche Dorfcharakter erhalten blieb. [1]


Krummöls (Oleszna Podgórska)

Krummöls wurde bereits 1254 urkundlich erwähnt und verdankt seinen Namen dem Fluss, an dem es gelegen ist – ursprünglich Olse und heute Oldza genannt. Das Dorf hat 500 Einwohner. 1293 gab es hier schon Kirche. 1307 wurde das Dorf den Benediktinerinnen in Lubomierz geschenkt. 1706 übernachtete der schwedische König Karl XII. in Krummöls und 1759 während des Siebenjährigen Krieges schlug der preußische König Friedrich II. sein militärisches Lager hier auf. In den Jahren 1835 bis 1838 wurde eine neue evangelische Kirche nach dem Entwurf des berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel erbaut, der auch das Brandenburger Tor und die Sommerresidenz des preußischen Königs in Mysłakowice entworfen hatte. 1885 wurde die alte katholische Kirche wegen des Baus der Eisenbahn abgebaut. Von dieser Kirche zeugt heute nur der steinerne Turm mit dem goethischen Portal im Erdgeschoss.



Spiller (polnisch Pasiecznik)

Pasiecznik ist wahrscheinlich Ende des 13. Jahrhunderts entstanden. Der ursprüngliche Name Spyllarsyff deutet darauf hin, dass hier Gold gewaschen wurde. Zum ersten Mal wurde das Dorf 1305 in einer Urkunde des Bischofs von Wrocław erwähnt. Das Entstehen des Dorfes ist nicht mit dem Benediktinerkloster Liebenthal verbunden, sondern mit dem Geschlecht von Spiller und von Schaftgotsch. Das prächtigste Gebäude ist die spätgotische Kirche des Erzengels Michael, welche 1535 erbaut. In der Mitte des 16. Jahrhunderts gingen die Bewohner zum Protestantismus über. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde den Protestanten die Kirche entnommen und den Katholiken zurückgegeben. Mangels Katholiken stand die Kirche überwiegend leer. Erst unter protestantischem Preußen konnte 1747 protestantische Kirche entstehen. Im Dorf gab es nun zwei Kirchen, zwei Pfarrhäuser und zwei konfessionelle Schulen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts lebten in Pasiecznik über 900 Einwohner, die ihren Lebensunterhalt vor allem aus der Hausweberei und der Landwirtschaft bezogen. Auch gab es eine Brauerei, Hofbrennerei, Wassermühle und Ölmühle. Heute ist die Zahl der Einwohner auf 550 gesunken. Ein Rest eines Turmes zeugt heute noch von der evangelischen Kirche aus dem 19. Jahrhundert.


Schmottseiffen (polnisch Pławna Gorna)

Schmottseiffen (ursprünglich „Smotensiphen“ genannt) leitet sich von dem deutschen Wort „seiffen“ ab. Der Ort entstand durch das Gold, welches hier bereits im 12. Jahrhundert gewaschen wurde. 1241 kaufte Lwówek Śląski hier Grubenparzellen, auf denen 600 Bergleute arbeiteten. Das heutige Dorf hat etwa 1000 Einwohner. In seiner Blütezeit vom 12. bis zum 15. Jahrhundert gehörte das Dorf mehreren Besitzern. Schmottseiffen hatte eine eigene Pfarrkirche, die bereits 1318 erwähnt wurde. 1470 hat Johann von Liebenthal das ganze Dorf übernommen. Kurz darauf wurde das Dorf von Wilrich Pławna dem Kloster Liebenthal geschenkt. 1680 wurde die alte Holzkirche durch eine gemauerte Kirche ersetzt. 1759 während des Siebenjährigen Krieges schlug der preußische König Friedrich II. sein militärisches Lager hier auf. Auch Napoleons Truppen stationierten hier zweimal. 1813 wurde hier die Schlacht Napoleons gegen die russischen Truppen geführt, welche ebenfalls ein Lager hier aufgeschlagen hatten. Pławna war bekannt durch prächtige Obstgärten, Ziegenzucht und die Fertigung vornehmer Ziegenkäsesorten. Es gab mehrere Wassermühlen, eine Windmühle und eine Kalkbrennerei. Die 1885 Eisenbahn wurde 1993 stillgelegt und Teile der früheren Bahnstrecke sind heute Radwege.


Riemendorf (polnisch Pokrzywnik)

Zwischen den Hügel des Bober-Katzbach-Gebirges, des Riesengebirges und des Isergebirges liegt auf 400 Metern Höhe das Dorf Riemendorf versteckt. Riemendorf wurde 1397 erstmals urkundlich als „Rymendorf“ erwähnt. Der Name geht vermutlich zurück auf den Dorfgründer „Rymo“, der einer der Stadträte in Lwówek Śląski war. Der heutige Ort besteht aus knapp 20 Häusern, das älteste Haus stammt aus dem Jahr 1774. Das Leben am Rande der Landgemeinde Liebenthal hat Riemendorf über Jahrhunderte von dramatischen Zeitgeschehen verschont. Es gibt in Riemendorf keine Sehenswürdigkeiten, auch keine Kirche oder Kapelle. Bis Ende des Zweiten Weltkrieges war das Dorf eigenständig. Es gab es hier ein großes Gut, welches nach Kriegsende in eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft umgewandelt wurde. Von einer ehemaligen Ziegelei, Kalkbrennerei und Schule sind heute nur noch Reste erhalten.


Hennersdorf (polnisch Popielówek)

Hennersdorf besteht seit dem 13. Jahrhundert. Der ursprüngliche Name ist Henrici villa und stammt möglicherweise von dem Namen des Gründers – Heinrich. Das Dorf wurde 1307 erstmals im Zusammenhang mit der Schenkung an das Kloster Liebenthal urkundlich erwähnt. Im Ort befindet sich die spätgotische Kirche zur Heiligen Katharina von Alexandria aus dem 16. Jahrhundert. In Hennersdorf und Umgebung gibt es viele Kreuze, Kapellen und Figuren an den Straßen, die bis heute erhalten geblieben sind. Auch gibt es hier mehrere Hauskapellen.


Ottendorf (Radoniów)

Ottendorf wurde zum ersten Mal als Othonis Villa (Dorf von Otto) in einer Urkunde aus dem Jahre 1307, in der Jutta von Liebenthal und ihre Söhne das Dorf den Benediktinerinnen in Lubomierz gestiftet haben, erwähnt. Ottendorf war in direkter Nachbarschaft des Klosters und stand über Jahrhunderte unter dem Einfluss des Klosters. Während der Hussitenkriege und während des Dreißigjährigen Krieges wurde Ottendorf vollständig geplündert und verbrannt. Nach Wiederaufbau erlitt das Dorf Schäden durch Napoleons Revolutionstruppen. Von 1881 bis 1884 wurde aus Stein die neogotische Kirche zur Kreuzerhöhung errichtet. Das Dorf hat mineralstoffreiche Böden und Uranerz. Zwischen 1954 und 1962 wurden hier 345 kg Uran gewonnen. Bis heute ist die Radioaktivität in Ottendorf erhöht.


Ullersdorf-Liebenthal (Wojciechów)

Ullersdorf-Liebenthal liegt zwischen Lwówek Śląski und Jelenia Góra in einem malerischen Tal. Das Dorf wurde wahrscheinlich durch einen Ritter namens Wojciech als Siedlung gewählt. Die Siedlung hat wahrscheinlich bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts existiert. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1305. Die Geschichte des Dorfes und der Kirche hängen mit dem Kloster Liebenthal zusammen. Ullersdorf hat zu den weitumfassenden Gütern des Geschlechtes von Schaffgotsch gehört und wurde am Anfang des 15. Jahrhunderts dem nahegelegenen Kloster der Benediktinerinnen verkauft. Aus dieser Zeitperiode stammen gotische Fundamente der Kirche, auf deren Stelle die spätbarocke Kirche zum Heiligen Bartholomäus entstanden ist.


Quellen

[1] Justyna August


Danksagung

Wir bedanken uns herzlich bei Heidi Stenmans für die wundervollen Fotos aus Lubomierz und Umgebung. Alle Fotos auf dieser Seite stammen aus ihrer Sammlung. Mehr Fotos von ihr finden Sie auf ihrer Seite.