Naumburg (Saale), Deutschland


Naumburg (Saale) ist eine Stadt im Süden von Sachsen-Anhalt und Verwaltungssitz des Burgenlandkreises.

Folgende Gemeinden wurden im Laufe der Jahrzehnte in Naumburg eingemeindet:

  • 1905 Grochlitz
  • 1950 Altenburg (Saale) und Schellsitz
  • 1991 Neidschütz und Wettaburg
  • 1992 Flemmingen
  • 1994 Eulau und Kleinjena
  • 2010 Bad Kösen, Crölpa-Löbschütz, Janisroda und Prießnitz

Auf den folgenden Gedenkseiten finden Sie in Informationen zu Personen, die aus diesem Ort stammten.

Chronik

1000 - 1499


1000 errichten die Ekkehardinger Markgrafen eine Burg in Naumburg und verlegen nach deren Fertigstellung ihren Sitz von heute Großjena nach Naumburg. Mit den Markgrafen kommen auch Kaufleute und Handwerker nach Naumburg.

Um 1040 fand die Weihe des frühromanischen Dom St. Peter und Paul statt.

1152 Bischof Wichmann verleiht der Naumburger Kirche das Zollrecht.

1210 beginnt der Bau der Domkirche.

1235/39 findet in der Ebstorfer Weltkarte die erste kartografische Darstellung Naumburgs statt.

1260 zerstört ein Brand das Moritzkloster.

1305 wird das Naumburger Rathaus und ein Stadtrat erwähnt.

1314 Herren-, Marien-, Jakobs-, Viehstraße, Neu- und Salzgasse, Markt- und Reußenplatz, Wein- und Rosengarten sind erstmals urkundlich erwähnt.

1323 erhalten die Fleischer als erste Handwerker das Privileg eine Innung zu gründen, 1329 folgen die Bäcker, 1327 die Schumacher und erst 1439 die Schneider.

1384 werden große Teile der Stadt bei einem Brand zerstört. Die Stadt erwirbt an der Westseite des heutigen Marktplatzes 12 Grundstücke und beginnt dort mit dem Neubau des Rathauses.

1404 wütet zum ersten Mal die Pest in Naumburg und fordert viele Menschenleben.

1410 wird durch den Erlass eines Judenbriefes 22 jüdischen Familien ein Wohnrecht in Naumburg eingeräumt. Weiterhin wird ihnen die Pflicht auferlegt für ihre Schule und die Synagoge eine Abgabe in Höhe von 40 rheinischen Gulden zu zahlen. Die Regelung hat nur wenige Monate bestand und die Juden werden in Gefangenschaft genommen und ihres Eigentums beraubt.

1432 tritt Naumburg dem Städtebündnis Hanse bei, muss diese kurze Zeit später wieder verlassen.

1457 sterben fast alle Einwohner bei einem Großbrand.

1459 wird auf dem Marktplatzt ein Wasserbrunnen eingeweiht.

1462 kommt es zu einem Brand durch Brandstiftung. Der Brandstifter wird hingerichtet.

1473 kommt es zu einem erneuten Brand durch Brandstiftung. Der Brandstifter Matthes Hutter wird nach seiner Festnahme ebenfalls verbrannt.

1475 wütet erneut die Pest in Naumburg und fordert viele Menschenleben.

1494 wird die jüdische Gemeinde der Stadt gewaltsam aufgelöst und aus der Stadt vertrieben. Die jüdische Synagoge wird zwei Jahre später abgerissen.

 

1500 - 1899


1514 erhält Naumburg das Recht Messen auszurichten (Meßprivileg).

1517 wird die Stadt bei einem Großbrand zerstört. Der Wiederaufbau der Stadt wird durch Spenden finanziert. 1532 brennt Naumburg erneut ab.

1542 wütet erneut die Pest in Naumburg und fordert viele Menschenleben.

1549 beginnt der Bau des Stadtgefängnisses. Unter Bischof Julius von Pflug wird eine Kleider-, Hochzeits- und Luxusordnung erlassen. Diese teilt die Bürger der Stadt in drei Klassen auf.

1614 wird in Naumburg der Fürstentag abgehalten.

Der Dreißigjährige Krieg führt zu erheblichen Belastungen für die Stadt. Plünderungen führen dazu, dass nach Kriegsende 1648 total verarmt war und in seiner weiteren Entwicklung zurückgeworfen wurde.

1628 entstand durch den Zusammenschluss von 26 Geschäftsleuten die Krammerinnung.

1659 wird die erste Poststation außerhalb der Stadtmauern errichtet.

1693 bekommt die Stadt das Recht einer Markt-, Handels- und Wechselordnung zugesprochen.

1701 wird ein Opernhaus errichtet.

1714 aufgrund einer Pulverexplosion kommt es während der Peter-Pauls-Messe an der Ecke Fischstraße und Poststraße erneut zu einem Großbrand. Zwei Jahre später, die Stadt ist noch nicht vollständig aufgebaut, zerstört ein Feuer mehr als 220 Gebäude.

1747 erscheint die erste Naumburger Zeitung, der "Naumburgischer Anzeiger".

1766 erschien die erste Ausgabe des "Naumburgische Intelligenz-Blatt".

1786 erfolgt die Nummerierung der Häuser in der Stadt.

1802 Perückenmacher und Friseure erhielten ein eigenes Zunftrecht.

1806 hält sich der preußische König Friedrich Wilhelm III. ab dem 23. September mit Gemahlin für 12 Tage in Naumburg auf. Da man sich gegen den einen Krieg gegen Napoleon richtete, wurden in der Stadt Lebensmittel zur Versorgung des Militärs eingerichtet. In der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober erreichten die Franzosen die Stadt und begangen damit diese zu plündern. 2 Tage später zogen die Franzosen weiter und hinterließen fast 8.000 Verwundete. Um die Kosten des ersten Kriegsjahres von fast 300.000 Reichstalern zu decken, musste die Stadt ein Darlehen in Höhe von 80.000 Talern aufnehmen. Und so leidet die Stadt 1807 weiterhin an dem Krieg, denn die Einquartierung von Soldaten und die Verpflegung Verwundeter kosten viel Geld. Dennoch wird Napoleon in diesem Jahr in Naumburg freudig empfangen.

1812 wurde unter französischer Verwaltung das Armenwesen in der Stadt neu geregelt mit dem Ziel die Bettelei abzuschaffen. Für die Ärmsten gab es Unterstützung und Faulenzer wurden zur Arbeit aufgerufen. Die Finanzierung der Armen erfolgte über Almosen, die von den Bürgern der Stadt eingefordert wurden.

1813 aufgrund verschiedener durch Naumburg ziehende Heere, wurde die Stadt mehrfach geplündert und für die Einwohner verschlechterte sich die Situation weiter. Vielen wurde ihr ganzes Hab und Gut gestohlen. Felder für Getreide, Gemüse wurden von den Heeren verwüstet, so dass es keine Ernte gab.

1814 war geprägt von der Beseitigung der Kriegsschäden und der besseren Versorgung der Armen und Waisen sowie der Bekämpfung der grassierenden Krankheiten. Zu diesen Zweck wurde bereits Anfang des Jahres ein Hilfswerk eingerichtet, welches sich zunächst um die Bekämpfung des Nervenfiebers (Typhus) kümmerte. Kriegswaisen wurden bei Familien untergebracht, die hierfür eine finanzielle Aufwandsentschädigung bis zum 14. Lebensjahr des Waisenkindes erhielten.

1815 fiel Naumburg aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses an Preußen.

1816 wird das Land- und Stadtgericht in der Stadt eingerichtet.

1817 wird die preußische Städteordnung eingeführt.

1821 erscheint das "Naumburger Kreisblatt".

1823 wird die Naumburger Sparkasse von Oberbürgermeister Franz Rasch und dem Kämmerer Johann Samuel Thränhart gegründet.

1824 wird die erste Sektkellerei Deutschlands gegründet.

1834 erfolgt der Baubeginn für die heutigen Salztorhäuser.

1846 erhält Naumburg Anschluss an das Eisenbahnnetz und es wird mit dem Bau des Hauptbahnhofes begonnen.

1849 die erste Ausgabe des "Kreisblatt für Stadt und Kreis Naumburg", heute Naumburger Tageblatt.

1858 eröffnet die erste private Gasanstalt. Die Straßenbeleuchtung wird von Öl auf Gas umgestellt. 1887 kauft die Stadt das Gaswerk.

1859 wurde eine Telegraphenstation eröffnet.

1866 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Naumburg.

1868 wird erstmals der Naumburger Taubenmarkt ausgerichtet.

1890 Beginn für die Errichtung der Kanalisation zur Abwasserentsorgung.

1891 erfolgt die Einführung des Fernsprechverkehrs.

1895 werden die Naumburger Bürger verpflichtet ihre Häuser an die zentrale Wasserversorgung anzuschließen.

1897 nach dem Tod seiner Mutter zieht Friedrich Nietzsche nach Weimar. In dem Jahr gab es auch die erste Filmvorführung in der Stadt.

1899 beschloss die Stadt eine neue Brandschutzverordnung, nach der alle Männer (mit einigen Ausnahmen) zwischen 21 und 40 Jahren zum Feuerlöschdienst verpflichtet wurden.

 

1900 - heute


1903 wurde das Luisenhaus, ein Pflegeheim für alte Menschen, eröffnet. Die Pflege der alten Menschen war dabei in drei Klassen unterteilt und kostete zwischen 90 Pfennige und zwei Mark täglich.

1906 starb der Unternehmer, Kommunalpolitiker und Wohltäter Franz Julius Hölz im Alter von 86 Jahren.

1912 vernichtete ein Großfeuer das Brauereigrundstück der Firma Hartung und Berthold. Ab 1913 mussten alle Lehrlinge aufgrund eines 1912 gefassten Beschlusses die städtische Berufsschule besuchen.

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs machte sich die Hungersnot in der Stadt breit. Um die Versorgungssituation für die Ärmsten zu lindern, wurde Mitte November 1918 mit der kostenlosen Ausgabe von warmen Mahlzeiten begonnen. Die Maßnahme erwies sich jedoch als unzureichend.

1918 wird eine Zweigstelle der Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft unter Leitung des Oberregierungsrates Prof. Dr. Carl Börner eingerichtet, welche sich vorwiegend mit der Erforschung des Schädlings Reblaus beschäftigt. Hermann Bräutigam eröffnet in dem Jahr ein Nationaltheater.

1921 eröffnet das städtische Krankenhaus.

1922/23 leidet die Bevölkerung unter der Inflation. Während 1919 ein Ortsbrief noch 15 Pfennige kostete waren es im Dezember 1923 50 Milliarden Mark an.

1933 fanden im April erstmals Kundgebungen gegen die Juden in der Stadt statt. 1937/38 werden die Juden Max Cohen, Marcus Hardt und Josef Gross werden enteignet.

1938 erzielt die damals 19-jährige Naumburgerin Erika Junghanns auf dem Sportplatz mit 6,07 Metern einen Weltrekord im Weitsprung. Wegen zu weniger Wettkampfrichter wurde der Weltrekord offiziell nicht anerkannt.

Am 11.04.1945 wird Naumburg endgültig von US-Truppen eingenommen und es beginnt der Aufbau. Naumburg kommt zur sowjetischen Besatzungszone.

1948 im Zuge der Enteignungen wird der Familie Gehring die Honmaschinenfabrik entschädigungslos entzogen. Erst nach der Wende kehrt die Familie Gehring wieder nach Naumburg zurück.

1949 wurde zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers aufgerufen. Dieser war nach Sowjetpropaganda von Amerikanern aus Flugzeugen abgeworfen worden. Für die Abgabe von toten Käfern, Larven und Eiern gab es Süßwarenprämien. Um die Knappheit bei der Versorgung mit Strom und Brennstoff entgegen zu wirken, wurde die Stromentnahme der Haushalte und Betriebe streng kontingentiert.

1950 begann der Bau des Stadions. Auch wurde die Bevölkerung wieder zum Kampf gegen den „amerikanischen Kartoffelkäfer“ aufgerufen, wer ohne Grund nicht mitmachte musste mit Geldstrafen bis 50 Mark rechnen.

1952 eröffnet der Ratskeller wieder seine Pforten und das Stadion wird eröffnet.

1953 ruft die Stadt zur Haussperlingsjagd auf. Für jeden abgegebenen, toten Sperling gibt es 5 Pfennige. Strom wird auf 100 Watt pro Haushalt reduziert.

1958 begannen in Naumburg die Schutzimpfungen gegen die Kinderlähmung. Ende Mai schaffte die DDR Regierung die Lebensmittelkarten ab. Von nun an waren Lebensmittel zu einheitlichen Preisen erhältlich.

1959 ein neues Erfrischungsgetränk aus Tee und Zitronen wurde unter dem Namen "Lipsi" auf den Markt gebracht.

1963 kam es aufgrund einer Frostperiode zu erheblichen Problemen bei der Versorgung der Bevölkerung mit Brennstoffen und Strom.

1978 feiert Naumburg die 950-Jahre Feier. Für diesen Anlass wurde die Jakobstrasse zur Fußgängerzone und die angrenzenden Häuser neu gestrichen.

1989 kommt es wegen der immer mehr zunehmenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung auch in Naumburg zu Demonstrationen die letztendlich mit dem Rücktritt der Regierung enden.

1991 wurden nach der Wiedervereinigung Plätze und Straßen umbenannt.  Die Maschinenfabrik Gehring kehrt nach Naumburg zurück.

1992 verlassen die letzten 38 Panzer der russischen Streitkräfte die Stadt.

1996 wurde erstmals das Altstadtfest in der Innenstadt ausgerichtet.