Pünder Hermann Dr. jur., 1888, Trier  


Geboren am: 01.04.1888 in Trier
Gestorben am: 03.10.1976 in Fulda 
Verheiratet mit: Magda Pünder geb. Statz 
Kinder: 5
Geschwister: nicht bekannt
Eltern: Mutter Carola Schoemann

Aus seinem Leben

Hermann Pünder wurde im Dreikaiser-Jahr am 01.04.1888 in Trier geboren. Sein aus einem alten Eifeler Bauerngeschlecht stammender Vater, der 1870/1871 schwer verwundet wurde, war dort Landrichter. Seine Mutter Carola Schoemann entstammte einer moselländisch-westfälischen Bankier-Familie. 

Die Kindheit erlebte Hermann Pünder mit seinen vier Geschwistern in Köln, wohin der Vater als Richter am „Rheinischen Appellhof" versetzt worden war. Die Gymnasialzeit verbrachte er in Münstereifel, der Stadt, an der er hing und in der er später seinen zweiten Wohnsitz begründete. Mit der Ernennung des Vaters 1900 zum Richter am Reichsmilitärgericht erlebte er die späte Blüte des Kaiserreichs in der Weltstadt Berlin. Hier – und in Freiburg und London – studierte er Rechtswissenschaften. Der Weltkrieg sah den mit dem EK I ausgezeichneten Artillerie-Offizier an vorderster Front. 

Die Beamtenlaufbahn begann der „Doppel-Prädikatler" 1919 im Preußischen Justizministerium. Bald wurde er in das Reichsfinanzministerium berufen. 

Dr. jur. Hermann Pünder

Im selben Jahr heiratete er die Düsseldorferin Magda Statz. 56 glückliche Jahre waren beide verbunden. Ihren fünf Kindern – eines starb kurz nach der Geburt – schufen sie ein prägendes, christliches Elternhaus. 

Die erstaunlich rasche Ministeriallaufbahn wurde 1926 mit der Berufung zum Staatssekretär und Chef der Reichskanzlei gekrönt. Den Reichskanzlern Marx, Müller und Brüning war er ein kenntnisreicher, vor allem aber ein loyaler Berater. Nach dem von ihm als unheilvoll erkannten Regierungsantritt von Papen gab er sein Amt auf. 1932 wurde er Regierungspräsident in Münster. 

1933 wurde er seines Amtes enthoben. Die bitteren Jahre der inneren Emigration verbrachte er mit seiner Familie auf dem geliebten Eichenhof in Münster. Nach dem 20.07.1944 wurde er als Mann des Widerstandes vor den Volksgerichtshof gestellt und in mehrere KZs verschleppt. Die Befreiung in den Dolomiten durch die Amerikaner brachte die Rettung vor dem schon sicheren Tod. 

Der leidenschaftliche Demokrat stellte sich dem Wiederaufbau Deutschlands sofort zur Verfügung. Im Sommer 1945 gründete er in Münster die CDU. In ihr sah er die Erfüllung seiner durch die Gewaltherrschaft geprägten christlich-sozialen politischen Weltanschauung. 

Im Herbst 1945 berief ihn die britische Militärregierung zum Oberbürgermeister seiner in Todesstarre liegenden Vaterstadt Köln. Trümmer, Hunger, Kälte und Armut waren die Wegbegleiter. Im März 1948 wurde Hermann Pünder in das höchste Amt der zur Bizone vereinigten britischen und amerikanischen Besatzungszone berufen. Als Oberdirektor wurde er mit Erhard zum Schöpfer der „Sozialen Marktwirtschaft" und Lenker des Wiederaufbaus nach der Währungsreform. 1950 übergab er die Regierungsgeschäfte der Bundesregierung. In den beiden ersten Legislaturperioden vertrat er Köln im Bundestag. Als deutscher Sprecher im Europarat und Vizepräsident des Parlaments galt sein parlamentarisches Wirken vor allem der Einigung Europas. Er war ein Wegbereiter der Versöhnung mit Israel. 

Als einer der letzten Überlebenden der Weimarer Epoche sah er eine wichtige Aufgabe in der Weitergabe seiner Erfahrungen und Erkenntnisse. Die Lebenserinnerungen „Von Preußen nach Europa" und das „Tagebuch aus der Reichskanzlei" sind Geschichtsquellen hohen Ranges. Seiner großen Familie mit 15 Enkeln und 2 Urenkeln gab er mit seinem selbstlos, sozialen, immer hilfsbereiten und beglückend humorvollen Charakter, seiner allem Neuen aufgeschlossenen und persönlich bescheidenen Lebensweise ein Vorbild für vier Generationen. In seiner klaren Frömmigkeit war er unbeirrbar.

Dr. jur. Dr. jur. h.c. Hermann Pünder starb am 03.10.1976 in Fulda im Alter von 88 Jahren.


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