Well Katharina, 1845, Prüm


Geboren: 1845 in Prüm
Gestorben am: 21.08.1921
Verheiratet: nein
Kinder: keine
Geschwister: keine

 

Aus ihrem Leben

Katharina Well, die von der damaligen Bevölkerung „Welle Kättchen“ genannt wurde, wohnte in einem armseligen Haus in der Ritzstrasse in Prüm.

Zu Zeit ihrer Geburt herrschte in Prüm wie in der gesamten Eifel bittere Armut. Ihr Vater war ein armer Tagelöhner, der es kaum schaffte, seine Frau und sein Kind zu ernähren. So musste Katharina schon früh für ihren eigenen Unterhalt aufkommen und arbeiten. Man ließ sie grobe Hausarbeiten oder Gartenarbeiten verrichten. Sie trug Stalldünger auf Beete oder jätete Unkraut.

Wenn es im Haus oder Garten keine Arbeit gab, arbeitete sie in der Gerberei und verdiente sich ihr Geld mit Lohhacken. Diese Arbeit war anstrengend und staubig, wurde jedoch nur schlecht mit einem Tagelohn zwischen 60 bis 80 Pfennig bezahlt.

 

Nach dem Tod ihrer Eltern schaffte sie sich zwei Ziegen an, die mangels Stall oder Hof, hinter einem Verschlag direkt im Haus untergebracht waren. Weil Katharina arm war, hatte man ihr "Auf der Held" Richtung Rommersheim ein Feld zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt, wo sie Gemüse und überwiegend Kartoffeln für ihren Eigenbedarf anbaute. Ihre Ernte schleppte sie auf ihrem Rücken ins Tal nach Prüm. Im Frühjahr suchte sie Salat, denn für eine Schüssel gewaschenen Salat gab es damals immerhin 20 Pfennige.

In Prüm sammelte sie aus Abfällen der reicheren Bürger Kaffeesatz und braute sich zuhause daraus ihren Mocca.

Katharina war sehr gläubig und hat sich bei all ihrer Armut nie über ihr Schicksal beklagt und blieb zeitlebens ein heiterer Mensch. Glücklich war sie, wenn ihr jemand Tabak schenkte oder ihr einen Schnaps anbot.

Obwohl sie in ihrem Haus auf nackter Erde, zwischen Ziegen, Ratten, Abfällen und sonstigem Unrat lebte, war sie selten krank und blieb bis ins hohe Alter gesund.

Nachdem die Einwohner von Prüm sie 1921 ein paar Tage nicht mehr in der Stadt gesehen hatten, verschafften sie sich Zutritt zu Katherinas Haus. Dort fanden sie Katharina in Lumpen eingehüllt auf ihrem Lager, unfähig sich zu bewegen. Auf einer Trage wurde sie ins Krankenhaus gebracht, wo sie am 21.08.1921 im Alter von 76 Jahren verstarb.

Das Haus in dem Katharina lebte wurde später abgerissen.


Gedenkseitennummer 91