Zimmer Katharina, 1877, Prüm


Geboren: 1877 in Prüm
Gestorben am: 15.07.1949 in Prüm
Verheiratet: nein
Kinder: keine
Geschwister: keine
Eltern: nicht bekannt

Oft mehr Glück als Verstand gehabt ...

Katharina wurde 1877 in Prüm geboren. Katherina lebte mit ihrer Mutter zusammen und war zeitweise als Waschfrau tätig. Nach dem Tod der Mutter machten sich bei Katherina jedoch geistige Defizite bemerkbar, die sie fortan für jegliche Arbeit ungeeignet machten.

In der Prümer Bevölkerung galt sie als Sonderling und wurde mit „Zömich Kättchen“, einem Namen unter dem sie später eine traurige „Berühmtheit“ erlangte, betitelt.

Egal welche Jahreszeit, Katharina schien stets zu frieren, denn sie lief immer in der gleichen Kleidung durch das kleine Eifel-Städtchen. Nach außen führte Katharina ein normales Leben. Jeden Tag ging Katherina früh zur Kirche und spazierte im Anschluss durch Prüm. 


Obwohl sie keine Geschwister hatte, glaubte sie fest daran, dass die jeweiligen Direktoren des heute staatlichen Regino-Gymnasiums in Prüm, ihre Brüder waren – auch wenn sie keinen davon persönlich kannte. Auch war sie überzeugt, dass der Papst ihr Bruder sei.

1944, bei der Evakuierung Prüms, weigerte sich Katharina die Stadt zu verlassen und überlebte dennoch unbeschadet den Zweiten Weltkrieg. Angeblich konnte sie die Stadt nicht verlassen, weil sie ihre Miete schon gezahlt hatte. Aber es sei gut gewesen, dass die anderen die Stadt verlassen hätten, denn es hätte schwere Gewitter gegeben und es sei mit Steinen und Eisen geworfen worden.

Sie hauste im Keller des Bischhöflichen Konvikts, als dieser im letzten Kriegsmonat von deutschen Soldaten gesprengt wurde und kroch anschließend munter aus den Trümmern. Als die Amerikaner später in Prüm einrückten, bekam sie von diesen Essen, medizinische Versorgung und überlebte so auch die Hungersnot nach dem Krieg.

Katharina Zimmer sagte voraus, sie werde später einmal vom Bischof in Anwesenheit zahlreicher hoher Herren beerdigt. Ihre Vorhersage erfüllte sich, als sie am 15.07.1949 als Opfer der Explosion am Kalvarienberg im Alter von 72 Jahren ums Leben kam.

Katharina Zimmer wurde mit den anderen Opfern durch ein Staatsbegräbnis mit dem Trierer Erzbischof Dr. Franz Rudolf Bornewasser und dem damaligen Ministerpräsidenten Peter Altmeier geehrt. Zu Ihrer Erinnerung steht heute noch ein Gedenkstein auf dem Friedhof in Prüm.

Am 15.07.1949 ereignete sich in Prüm die größte Nachkriegskatastrophe der Region. In einem 1939 angelegten Stollen unter dem Kalvarienberg in Prüm brach ein Feuer aus und rund 500 Tonnen Sprengstoff explodierten. Der dort während des Zweiten Weltkrieges gelagerte Sprengstoff war ursprünglich für Sprengung von Bunkern des Westwalls vorgesehen. Die Explosion riss einen über 20 Meter tiefen Krater in den Berg; Erd- und Steinbrocken wurden zum Teil mehrere Kilometer weit geschleudert und beschädigten viele der gerade erst wiederaufgebauten Häuser. Die Explosion verwandelte das im Wiederaufbau befindliche Städtchen Prüm in ein Trümmerfeld mit 237 zerstörten bzw. beschädigten Häusern und rund 1000 Obdachlosen. Prüm gelangte damit europaweit in die Medien. Glücklicherweise hatte die örtliche Polizei, die den Brand früh entdeckt hatte, die Bevölkerung gewarnt und fast vollständig evakuieren können.

250.000 cbm Schuttmassen wurden bei der Explosion in die Luft geschleudert und verdunkelten Prüm für 20 Minuten. Feinster Staub ging noch in den 20 km umliegenden Orten nieder. Hörbar war die Explosion sogar in Trier und Koblenz. Sogar die Erdbebenwarte in Stuttgart registrierte die Erschütterungen.


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